Was ist eine Gewerkschaft und welche Aufgaben hat sie?

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Mit dem Arbeitgeber verhandelt die Gewerkschaft über bessere Arbeitsbedingungen der Angestellten.

Mit dem Arbeitgeber verhandelt die Gewerkschaft über bessere Arbeitsbedingungen der Angestellten.

Einzelne Arbeitnehmer verhandeln die Konditionen ihres Arbeitsverhältnisses in Deutschland in der Regel allein mit ihrem (künftigen) Arbeitgeber. Häufig besteht in diesem Zusammenhang eine Machtasymmetrie.

Der Einzelne ist häufig schon aus wirtschaftlichen Gründen mehr oder weniger dazu genötigt, sich schnell aus der Arbeitslosigkeit zu befreien, um sich seinen Lebensunterhalt zu sichern. Hierum wissen Arbeitgeber und versuchen Arbeitsverträge im eigenen Interesse so günstig wie möglich zu gestalten.

Hinzu kommt: Sie haben meist genug Geld zur Verfügung, um auf die Beratung versierter Rechtsanwälte zurückzugreifen. Hier kann ein in Rechtsfragen meist unerfahrener Arbeitnehmer das Nachsehen haben, schließlich weiß er nur selten, wo sich der eigene Arbeitgeber noch im Graubereich bewegt und was das Arbeitsrecht verbietet.

Um ein entsprechendes Gegengewicht zu schaffen, haben sich die Gewerkschaften entwickelt. Sie vertreten je nach Ausrichtung die Interessen von Mitarbeitern oder Arbeitern bestimmter Branchen. Warum es sie gibt, welche Aufgaben von einer Gewerkschaft erfüllt werden und welche die größte Gewerkschaft in Deutschland ist, erfahren Sie aus dem folgenden Artikel.

Diese Gewerkschaften kann Deutschland vorweisen:

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DGB

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Dachorganisation verschiedener Einzelgewerkschaften.

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EVG

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft vertritt u. a. Busfahrer und Eisenbahner.

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GDL

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) ist bekannt für ihre Streiks. Für was sie sich einsetzt, lesen Sie hier.

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GdP

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kämpft für bessere Arbeitsbedingungen Beschäftigter bei der Polizei.

Worum handelt es sich bei einer Gewerkschaft? – Eine Definition

Gewerkschaften sind Arbeitnehmerzusammenschlüsse, die sich dafür einsetzen, dass ihre Mitglieder im Speziellen und Arbeitnehmer einer bestimmten Branche grundsätzlich:

  • besser bezahlt werden und höhere Löhne erhalten
  • weniger arbeiten müssen und nicht immer mehr
  • ein Mitbestimmungsrecht bei betrieblichen Entscheidungen erhalten
  • nicht um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, weil Stellen abgebaut werden.

Ausschlaggebend für ihre Gründung, war die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Aus der Geschichte wissen wir, dass es nicht erst während der Industrialisierung zu Arbeitnehmeraufständen kam. Schon viel früher organisierten sie sich, um gegen die herrschenden Arbeitsbedingungen zu protestieren. Historiker gehen davon aus, dass schon 1329 die erste Arbeitsniederlegung als Zeichen des Aufbegehrens stattfand. Doch erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die erste Gewerkschaft gegründet.

Per Definition ist eine Gewerkschaft eine privatrechtliche Vereinigung. In einer Satzung, die sie sich selbst gibt, hält sie fest, was sie erreichen will. Die mit ihrer Arbeit verbundenen Ausgaben finanziert sie über Beiträge, welche die Mitglieder entrichten.

In Deutschland sind die Gewerkschaften, welche sich für bestimmte Gruppen einsetzen, heute zusammengeschlossen in bestimmten übergeordneten Verbünden. Dazu zählen unter anderem:

  • der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)
  • die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
  • der Deutsche Beamtenbund (DBB)
  • der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB)

Welche Aufgaben haben Gewerkschaften?

Die Mitglieder einer Arbeitergewerkschaft sind überwiegend Arbeiter. Sie setzt sich konkret für ihre Interessen ein.

Die Mitglieder einer Arbeitergewerkschaft sind überwiegend Arbeiter. Sie setzt sich konkret für ihre Interessen ein.

Gewerkschaften nehmen verschiedene Aufgaben wahr. Wie bereits erwähnt, setzen sie sich vor allem für die wirtschaftliche Verbesserung der Arbeits- und Lebensumstände von Arbeitnehmern ein. Doch auch in sozialer Hinsicht sind Gewerkschaften sehr aktiv.

Sie sind maßgeblich an der Aushandlung von Tarifverträgen beteiligt, welche gemeinsam mit Arbeitgebern bzw. ihren Vertretern vereinbaren.

Dabei gibt es häufig deutliche Interessenskonflikte. Gewerkschaften dürfen Streiks organisieren und ihre Mitglieder zur Arbeitsniederlegung aufrufen, um Ihren Forderungen Wirkung zu verleihen.

Wann eine solche Maßnahme rechtens ist, dazu gibt es in Deutschland klare Regeln:

  • Die mit dem Streik verbundenen Ziele der Gewerkschaften müssen tariflich erreichbar sein.
  • Darüber hinaus müssen die Ziele vom Tarifrecht gedeckt werden.
  • Eine der Aufgaben der Gewerkschaften besteht ebenfalls darin, eine Arbeitsniederlegung erst mit Verstreichen der Friedenspflicht umzusetzen.
  • Ein Arbeitsausstand darf ausschließlich das letzte Mittel sein und muss sich durch seine Verhältnismäßigkeit auszeichnen.

Welche Vorteile bringt die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft mit sich?

Zwar müssen Sie dafür zahlen, um Mitglied in einer Gewerkschaft zu werden, doch Sie profitieren von zahlreichen Vorteilen. Dazu gehört zunächst die Rechtsschutzversicherung. Als Gewerkschaftsmitglied müssen Sie keine zusätzliche Versicherung dieser Art abschließen, sondern können sich bei Uneinigkeiten mit Ihrem Chef zu Themen wie Abfindung, Kündigung und Urlaubsanspruch von einem Rechtsanwalt kostenfrei – abgesehen vom Mitgliedsbeitrag – beraten lassen. Darüber hinaus wird Mitgliedern häufig auch bei juristischen Auseinandersetzungen zur Seite gestanden. Die hierbei entstehenden Kosten durch beispielsweise die Beauftragung eines Anwalts bzw. den Prozess erübrigen sich hierdurch.

Warum Sie einer Gewerkschaft beitreten sollten? Für viele Menschen ist neben der kostenlosen Rechtsschutzversicherung auch der Sozialrechtsschutz ausschlaggebend. Auch dieser wird häufig gewährt, ohne mehr zahlen zu müssen. Und auch eine Freizeit-Unfallversicherung erübrigt sich in der Regel, wenn Sie Mitglied in einer der Gewerkschaften sind. Diese ist im Beitrag inklusive.

Zu einer der Aufgaben von Gewerkschaften gehört das Aushandeln von Tarifverträgen. Als Arbeitnehmervereinigungen haben sie sehr viel mehr Macht als ein einzelner Mitarbeiter, weshalb häufig weitreichendere positive Auswirkungen für viele erreicht werden können.

Angesichts eines heute langen Arbeitslebens gewinnt die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft weiterhin Bedeutung angesichts der Unterstützung bei Aus- und Weiterbildung. Denn: Für die Teilnahme an von der Gewerkschaft organisierten Seminaren und Veranstaltungen müssen Sie häufig nichts zahlen. Diese Angebote zur Bildung sind häufig sehr vielfältig und decken verschiedene Themenbereiche ab.

Welche Gewerkschaften sich für die Arbeitnehmerinteressen einsetzen:

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GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert angemessene Bezahlung für gute Arbeit.

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IG BAU

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) vertritt Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Branchen.

IG BCE

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) kümmert sich um bessere Arbeitsbedingungen.

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IG Metall

Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) handelt u. a. Tarifverträge zur Verbesserung der Arbeitsumstände aus.

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NGG

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist die älteste Gewerkschaft der Bundesrepublik.

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Verdi

Die Vereinte Dienstleistungsgesellschaft (Verdi) ging u. a. aus der Deutschen Postgewerkschaft hervor.

Wie hoch ist der vom Gewerkschaftsmitglied zu zahlende Gewerkschaftsbeitrag?

Um Mitglied in einer Gewerkschaft zu werden, muss in der Regel ein Antrag gestellt und in regelmäßigen Abständen ein Beitrag an die Gewerkschaft überwiesen werden.

Viele Einzelgewerkschaften haben sich in Deutschland zu einem Gewerkschaftsverband zusammengeschlossen.

Viele Einzelgewerkschaften haben sich in Deutschland zu einem Gewerkschaftsverband zusammengeschlossen.

Dieser dient unter anderem dazu, folgende Dinge zu finanzieren:

  • das in der Verwaltung tätige Personal
  • die von der Gewerkschaft erbrachten Dienstleistungen
  • die eventuell geleistete Bildungs-/Aufklärungsarbeit
  • die von der Gewerkschaft herausgegebenen Publikationen

Ob ein Mitgliedsbeitrag in einer Gewerkschaft anfällt, hängt häufig davon ab, wie Ihre berufliche Situation aussieht. Wer zahlen muss und wie hoch der Betrag ausfällt, können Sie der Satzung entnehmen. Hier definiert die Gewerkschaft den Mitgliedsbeitrag, der mindestens gezahlt werden muss. Wer gerne mehr Geld entrichten will, ist dazu meist herzlich eingeladen.

Wie tief Sie für den Mitgliedsbetrag in die Tasche greifen müssen, ist meist an Ihren Bruttoverdienst oder andere regelmäßige monatliche Vergütungen gekoppelt. Es handelt sich demnach häufig um relative Beträge. Wer mehr verdient, der zahlt also auch mehr. So kommt es, dass Arbeitslose, Rentner und Studenten in der Regel einen sehr viel niedrigeren Mitgliedsbeitrag erbringen müssen.

Wie können Sie Gewerkschaftsmitglied werden?

Deutsche Gewerkschaften gibt es eine ganze Menge. Dazu zählen unter anderem:

  • die IG Metall
  • die IG Bergbau
  • die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
  • die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL)
  • die Gewerkschaft der Polizei
  • die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

Wollen Sie von den Vorteilen einer Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft profitieren, dann haben Sie häufig drei verschiedene Optionen, Ihren Willen kundzutun.

Bei einer Gewerkschaft können Sie sich bei Problemen mit Ihrem Arbeitgeber beraten lassen.

Bei einer Gewerkschaft können Sie sich bei Problemen mit Ihrem Arbeitgeber beraten lassen.

  • Sie drucken sich das auf der Webseite der Gewerkschaft zu findende Beitrittsformular aus, füllen es mit den erforderlichen Daten und schicken es anschließend auf dem Postweg an den Empfänger.
  • Möchten Sie der Gewerkschaft Ihre Erklärung lieber als Fax zukommen lassen, ist auch das in vielen Fällen möglich. Alles was Sie in diesem Fall benötigen, ist der Aufnahmeantrag und die Faxnummer. Letztere ist meist auf dem Formular vermerkt.
  • Im Zeitalter des Internets müssen Sie jedoch gar nicht auf die Papiervarianten zurückgreifen. Viele Gewerkschaften bieten Ihnen an, einfach online den Antrag auf Mitgliedschaft auszufüllen. Damit entfällt das lästige Warten für die Zustellung der Post.

Und welche Angaben müssen Sie nun machen, um einer der Gewerkschaften beizutreten? In den allermeisten Fällen handelt es sich um folgende Informationen:

  1. Vor- und Zuname
  2. Straße und Hausnummer
  3. Postleitzahl und Stadt
  4. Geburtsdatum
  5. Nationalität
  6. Geschlecht
  7. Telefonnummer
  8. E-Mail-Adresse
  9. Berufsbezeichnung/Studienrichtung
  10. Firmenname/Arbeitgeber bzw. Name der Hochschule bei Studenten
  11. Adresse des Arbeitgebers
  12. beruflicher Status
  13. Höhe des monatlichen Bruttoeinkommens
  14. Kontodaten: Name des Geldinstituts, Konto-Nummer, Bankleitzahl oder IBAN
  15. Datum
  16. Unterschrift

Wurde Ihr Ansinnen positiv beschieden, sind Sie Mitglied in der gewünschten Gewerkschaft und profitieren von ihren Leistungen.

Interessante Fakten rund um die Gewerkschaften in aller Welt

Als Mitglieder einer deutschen Gewerkschaft ist der Rechtsschutz kostenlos - Sie zahlen nur den Mitgliedsbeitrag.

Als Mitglieder einer deutschen Gewerkschaft ist der Rechtsschutz kostenlos – Sie zahlen nur den Mitgliedsbeitrag.

Nicht nur in Deutschland haben Arbeitnehmervereinigungen eine lange Tradition. Auch in anderen Ländern haben sich teils schon vor über 100 Jahren Gewerkschaften gegründet.

Was es über sie und die Gewerkschaften in Deutschland zu wissen gilt, haben wir hier zusammengetragen.

  • Als größte einzelne Gewerkschaft in Deutschland bezeichnet sich die IG Metall. Sie führt über 2,3 Millionen Mitglieder, die aus aller Herren Länder der Welt kommen.
  • Die Gewerkschaften in Frankreich treten in der Öffentlichkeit ganz anders auf, als ihre deutschen Kollegen. Hier legen Arbeitnehmer sehr viel häufiger ihre Arbeit nieder und kämpfen mit härteren Bandagen.
  • In Belgien liegt der gewerkschaftliche Organisationsgrad mit am höchsten im europäischen Vergleich. Hier werden besonders viele Arbeitnehmer gewerkschaftlich vertreten.
  • Die österreichische Gewerkschaft, die mit dem DGB vergleichbar ist, nennt sich Österreichischer Gewerkschaftsbund (OGB). Er wurde als überparteiliche Arbeitnehmervereinigung 1945 gegründet.
  • In Portugal und Ungarn sind einige Arbeitnehmer zwar auch in Gewerkschaften organisiert, doch ihr politischer und wirtschaftlicher Einfluss ist dort marginal.
  • Wie sich die Zusammensetzung der Gewerkschaften in Bezug auf die Geschlechterverteilung darstellt, hängt in Deutschland stark damit zusammen, um welche Branche es sich handelt. Während in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft viele weibliche Mitglieder zu finden sind, finden sich in der IG Metall verhältnismäßig wenige Frauen.

Wie können Sie bei der Gewerkschaft kündigen?

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Gewerkschaft kündigen

Wollen Sie nicht länger bei der Gewerkschaft Mitglied sein, können Sie kündigen. So geht’s.

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