Arbeitskleidung: Welche Rolle spielt die Berufsbekleidung im Arbeitsalltag?

Wie sehen die arbeitsrechtlichen Vorschriften zur Arbeitskleidung aus?

Wie sehen die arbeitsrechtlichen Vorschriften zur Arbeitskleidung aus?

Kleider machen Leute – seit jeher beeinflusst das äußere Erscheinungsbild einer Person, wie sie auf andere wirkt. An der Kleidung einer Person meinen wir in der Regel leicht ihren sozialen Stand, ihr Geschlecht oder ihr Alter zu erkennen.

Ähnlich verhält es sich in der Berufswelt: Bestimmte Kleidungsstücke assoziieren wir automatisch mit gewissen Berufen, beispielsweise den weißen Kittel mit einem Arzt oder den schwarzen Talar mit einem Pfarrer.

Auch Servicekräfte tragen teilweise einheitliche Arbeitskleidung, um ihre Zugehörigkeit zu einem Restaurant oder einem Hotel zu demonstrieren, wodurch diese an Wiedererkennungswert gewinnen. Andere Arbeitnehmer sind wiederum dazu verpflichtet, spezielle Schutzkleidung zu tragen, um mögliche Gefahren und Gesundheitsschädigungen am Arbeitsplatz zu vermeiden.

In diesem Ratgeber erhalten Sie nützliche Informationen über die verschiedenen Formen der Arbeitsbekleidung sowie darüber, welche arbeitsrechtlichen Vorschriften in Bezug auf den Arbeitsschutz sowie die Kostenübernahme für die jeweilige Berufsbekleidung gelten.

Welche Formen der Arbeitskleidung gibt es?

Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern „Arbeitsklamotten“, wie sie oft von der Belegschaft genannt werden, aus unterschiedlichen Gründen vorschreiben bzw. während der Arbeitszeit zur Verfügung stellen. Die damit verbundenen rechtlichen Vorschriften variieren dabei je nach Art der Arbeitskleidung. Grundsätzlich ist zwischen zwei Formen zu differenzieren:

  1. Berufsbekleidung bzw. Dienstkleidung
  2. Arbeitsschutzkleidung
Im Folgenden gehen wir genauer auf die Formen der Arbeitskleidung ein und widmen uns dabei außerdem den damit einhergehenden arbeitsrechtlichen Vorschriften.

Berufsbekleidung soll für ein einheitliches Erscheinungsbild sorgen

Arbeitskleidung: Für einige Männer ist der „Blaumann“ ein fester Bestandteil im Arbeitsalltag.

Arbeitskleidung: Für einige Männer ist der „Blaumann“ ein fester Bestandteil im Arbeitsalltag.

Zu dieser Kategorie gehören Kleidungs­stücke, welche die private Kleidung schonen und leichter zu reinigen sind wie z. B. ein sogenannter „Blaumann“.

Es kann sich allerdings auch um die typische Arbeitskleidung handeln, die bei der Ausübung eines bestimmten Berufs getragen wird. Sie sorgt für ein einheitliches Erscheinungsbild und bildet sozusagen das Markenzeichen der jeweiligen Berufsgruppe.

Dies ist beispielsweise bei den Uniformen von Polizeibeamten oder bei der Kleidung eines Kochs der Fall. Meist besteht keine gesetzliche Pflicht, bei der Ausübung von einem solchen Job spezielle Arbeitskleidung zu tragen. Daher werden diesbezüglich Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer getroffen, die entweder im Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung festgehalten werden.

In einem solchen Fall müssen Beschäftigte während der Arbeitszeit in jedem Fall die vereinbarten Arbeitssachen tragen. Gemäß § 87 Absatz 1 Nummer 1 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht, was die zu tragende Arbeitskleidung angeht.

Schutzkleidung soll möglichen Gefahren bei der Arbeit vorbeugen

Wie diese Form der Arbeitskleidung nach außen hin wirkt, ist nebensächlich. Vielmehr muss Schutzkleidung verpflichtend von Arbeitnehmern getragen werden, um den Arbeitsschutz während der Arbeitszeit zu gewährleisten. Vor allem bei gefährlichen Tätigkeiten oder möglicherweise gesundheitsschädigenden Bedingungen auf der Arbeit müssen Beschäftigte entsprechend geschützt werden.

Für Feuerwehrleute besteht beispielsweise die Pflicht, feuerfeste Arbeitskleidung zu tragen. Die Vorschriften zur persönlichen Schutzausrüstung befinden sich in der PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV). Zu dieser speziellen Form der Arbeitskleidung können Jacken, Schuhe, Helme, Schutzbrillen oder auch ein Gehörschutz zählen.

Welche Pflichten ergeben sich in puncto Arbeitskleidung für den Arbeitgeber?

Um Arbeitsunfälle sowie Gefährdungen der Gesundheit und des Lebens zu vermeiden, sieht das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) diverse Pflichten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber vor. Letzterer hat beispielsweise dafür zu sorgen, dass die arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben auch wirklich eingehalten werden. Er muss seinen Beschäftigten daher die entsprechende Arbeitskleidung und Schutzausrüstung zur Verfügung stellen.

Arbeitskleidung für Frauen und Männer unterscheidet sich normalerweise nicht, wenn sie dem Arbeitsschutz dient.

Arbeitskleidung für Frauen und Männer unterscheidet sich normalerweise nicht, wenn sie dem Arbeitsschutz dient.

Zusätzlich fällt es in sein Aufgabengebiet, seine Mitarbeiter darüber zu informieren, wann und wie beispielsweise ein besonderer Arbeitsanzug getragen werden muss. Damit Arbeitnehmer wirklich von dem notwendigen Schutz profitieren, muss die Schutzkleidung zudem voll funktions­fähig sein und regelmäßig gereinigt werden.

Nicht wenige Arbeitgeber lassen diese Reinigungen von Firmen durch­führen, die sich darauf spezialisiert haben und sich zusätzlich um die Instandsetzung der besonderen Arbeitskleidung kümmern. Ist die Berufskleidung abgenutzt oder beschädigt, kann kein ausreichender Schutz mehr gewährleistet werden. Sollte sich ein Arbeitnehmer aus diesem Grund Verletzungen zuziehen oder erkranken, ergibt sich daraus in der Regel ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Arbeitgeber.

Die Berufsgenossenschaften oder Gewerbeämter kontrollieren direkt im Betrieb, ob die Vorgaben zum Arbeitsschutz eingehalten werden. Hat der Arbeitgeber beispielsweise keine benötigte Profi-Arbeitskleidung bereitgestellt, droht ihm ein Bußgeld.

Auch Arbeitnehmer müssen Pflichten beachten, welche die Arbeitskleidung betreffen

So wie der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist, spezielle Berufsbekleidung zur Verfügung zu stellen, müssen Arbeitnehmer diese logischerweise auch tragen. Außerdem darf sie nicht zweckentfremdet werden, sondern muss genau so genutzt werden, wie der Chef es angeordnet hat. Halten sich Mitarbeiter nicht daran und gehen ihrer Tätigkeit ohne entsprechende Schutzkleidung nach, können sie schnell in einen Arbeitsunfall verwickelt werden.

In diesem Fall kann der Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung erlöschen. Das ist jedoch noch nicht alles: Wer sich wiederholt weigert, die speziell vom Arbeitgeber vorgeschriebene Arbeitskleidung zu verwenden, muss mit einer Abmahnung rechnen. In besonders schweren Fällen kann ein solches Fehlverhalten sogar zur Kündigung führen.

Wer trägt die Kosten für die Arbeitskleidung?

In diesem Punkt muss ebenfalls unterschieden werden, ob es sich um normale Arbeitskleidung oder um gesetzlich vorgeschriebene Schutzkleidung handelt. Ist letzteres der Fall, schreibt § 3 ArbSchG dem Arbeitgeber vor, die jeweilige Berufsbekleidung kostenlos bereitzustellen. Besteht ein Arbeitnehmer aus persönlichen Gründen darauf, spezielle Berufskleider zu seinem Schutz zu tragen, ohne dass dies gesetzlich geregelt ist, muss er allerdings anteilig oder ganz dafür aufkommen.

Nicht immer müssen Arbeitgeber für die Arbeitskleidung ihrer Mitarbeiter aufkommen.

Nicht immer müssen Arbeitgeber für die Arbeitskleidung ihrer Mitarbeiter aufkommen.

Ist ein Beschäftigter beispielsweise als Streifenpolizist unterwegs und möchte sich selbst durch eine Schussweste schützen, steht es ihm frei, dies zu tun. Da diese Westen jedoch nicht ausdrücklich durch das Gesetz vorgeschrieben sind, können ihm die Kosten für diese Art der Arbeitskleidung auferlegt werden.

Etwas anders verhält es sich bei normaler Berufsbekleidung: Schuhe, Kittel, Schürzen oder ähnliches muss der Arbeitnehmer grundsätzlich zumindest anteilig zahlen, wenn dadurch keine anderweitigen Vereinbarungen verletzt werden. Handelt es sich um Arbeitskleidung wie Latzhose, Kittel und Co., die lediglich die private Kleidung schonen soll, muss der Mitarbeiter die Kosten dafür normalerweise selbst tragen.

Schreibt hingegen ein Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder der Arbeitsvertrag selbst eine bestimmte Arbeitskleidung vor, kann das jeweilige Dokument ebenfalls eine Formulierung zur anteiligen Kostenübernahme durch den Beschäftigten aufweisen. Dies ist jedoch meist nur dann der Fall, wenn die jeweilige Kleidung auch in der Freizeit getragen werden kann. Der finanzielle Aufwand, welcher mit der Berufsbekleidung einhergeht, darf allerdings in keinem gravierenden Gegensatz zum Gehalt des Arbeitnehmers stehen.
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