Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Was ist Entgeltfortzahlung? Erkrankte und verunfallte Arbeitnehmer sind dadurch finanziell abgesichert.

Was ist Entgeltfortzahlung? Erkrankte und verunfallte Arbeitnehmer sind dadurch finanziell abgesichert.

Auf Dauer kann es kaum ein Arbeitnehmer vermeiden, temporär einer Krankheit zu erliegen und für einen gewissen Zeitraum nicht arbeitsfähig zu sein. Der Zeitraum der Arbeitsunfähigkeit muss dem Arbeitgeber gemeldet werden, da sonst unter anderem der Anspruch auf Entgeltfortzahlung entfällt.

Doch was genau ist in Bezug auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit zu beachten? Der vorliegende Ratgeber liefert einen kompakten Überblick zu den wichtigsten Informationen. So erfahren Sie hier unter anderem, wie die Berechnung der Entgeltfortzahlung funktioniert, welche Rolle dabei die Betriebszugehörigkeit spielt und warum Arbeitsunfähigkeit unverschuldet erfolgen muss, wenn Lohnfortzahlung erwünscht ist.

Verwenden Sie den Entgeltfortzahlungsrechner!

Spezifische Informationen zur Entgeltfortzahlung:

Lohnfortzahlung bei Krankheit: Berechnung

Berechnung der Lohnfortzahlung

Wie wird Entgeltfortzahlung berechnet? In diesem Ratgeber erfahren sie es!

Lohnfortzahlung bei Krankheit: Berechnung

Lohnfortzahlung bei Kur oder Reha

Ob ein Anspruch auf Lohnfortzahlung bei einer Kur oder einer Reha besteht, lesen Sie hier!

Lohnfortzahlung bei Krankheit: Berechnung

Lohnfortzahlung nach einem Arbeitsunfall

Was bei dem Bezug von Entgeltfortzahlung nach einem Arbeitsunfall zu beachten ist, verraten wir hier!

Anzeige- und Nachweispflichten sind zu erfüllen

Arbeitnehmer, die in Deutschland länger als vier Wochen in einem Unternehmen tätig sind, müssen in der Regel keine Angst davor haben, durch eine Erkrankung in finanzielle Nöte zu geraten. Denn nach Ende dieses Beschäftigungszeitraums besitzen Sie offiziell Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit.

Die gesetzliche Grundlage für die Lohnfortzahlung bildet das “Gesetz über die Zahlung des Arbeitsentgelts an Feiertagen und im Krankheitsfall” oder kurz: Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG). Dieses wurde geschaffen, damit Arbeitnehmer auch mit einer Krankheit finanziell abgesichert sind.

Das EntgFG “verschenkt” seine Privilegien jedoch nicht an Beschäftigte. So enthält § 5 EntgFG die sogenannten Anzeige- und Nachweispflichten, an die sich alle Beschäftigten halten müssen, wenn sie ihren Anspruch auf Entgeltfortzahlung nicht verwirken wollen. Entsprechend verpflichtet der Gesetzgeber Angestellte dazu, bei Arbeitsunfähigkeit den Arbeitgeber unverzüglich aufzuklären und ihm die voraussichtliche Dauer mitzuteilen.

Folglich gilt auch: Tritt eine Arbeitsunfähigkeit auf, die länger als drei Kalendertage dauert, ist ein ärztliches Attest vorzulegen, welches das Vorhandensein einer Krankheit belegt und eine Aussage über die voraussichtliche Dauer der Erkrankung macht.

Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: In den ersten 4 Wochen der Betriebszugehörigkeit besteht kein Anspruch.

Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall: In den ersten 4 Wochen der Betriebszugehörigkeit besteht kein Anspruch.

Diese gesetzliche Frist kann der Arbeitgeber jedoch durch eine im Arbeits- bzw. Tarifvertrag festgelegte Regelung überschreiben. So ist er durchaus befugt, auch schon am ersten Tag des Fernbleibens eine Bescheinigung zur Arbeitsunfähigkeit zu verlangen. Bei einer Erkrankung im Ausland müssen laut § 5 EntgFG weitere Vorgaben eingehalten werden, um das Anrecht auf Entgeltfortzahlung zu bewahren:

“[Bei Auftreten einer Erkrankung im Ausland] ist er verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung mitzuteilen. Die durch die Mitteilung entstehenden Kosten hat der Arbeitgeber zu tragen. Darüber hinaus ist der Arbeitnehmer, wenn er Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, verpflichtet, auch dieser die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzuzeigen.”

Die bedeutsame Schuldfrage

Es zeigt sich, dass Beschäftigte sich an einige Spielregeln halten müssen, wenn sie Wert auf Entgeltfortzahlung legen. Ob Minijob, Teilzeit- oder Vollzeitstelle vorliegt, ist dabei unwichtig. Bei Nichteinhaltung von gesetzlichen bzw. vertraglichen Pflichten kann der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung durchaus verweigern. Entscheidend ist dabei auch, dass der Gesetzgeber von einer unverschuldeten Arbeitsunfähigkeit spricht. Das bedeutet:

  • Damit das Recht auf Entgeltfortzahlung bestehen bleibt, darf ein Arbeitnehmer nicht selbst die Schuld daran tragen, arbeitsunfähig geworden zu sein.
  • Eigenes Verschulden kann beispielsweise vorliegen, wenn es durch Alkohol am Steuer zum Unfall kommt, gefährliche Nebentätigkeiten absolviert werden oder bewusst an einer Schlägerei teilgenommen wird.
  • Auch nicht notwendige Schönheitsoperationen, die Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben, können dazu führen, dass Entgeltfortzahlung verweigert wird.

Unabhängig davon, welcher Grund dazu führt, dass ein Angestellter nicht arbeitsfähig ist, können Unternehmer jedoch nicht einfach beschließen, die fortführende Vergütung einzubehalten. Diese müssen zunächst nachweisen, dass der Betroffene sein Leiden tatsächlich selbst verschuldet hat.

Als kompliziert kann sich eine Situation erweisen, in der eine mehr oder weniger riskante Sportart zum Unfall führt. In vielen Fällen gelten Sportverletzungen zwar als unverschuldet. Sportler müssen dafür jedoch alle vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen einhalten und dies auch nachweisen können. Trägt beispielsweise ein Radfahrer bei einem Freizeitrennen keinen Helm und verunfallt, muss er damit rechnen, eventuell von der Entgeltfortzahlung ausgenommen zu werden.

Entgeltfortzahlung: Diese Berechnung liegt ihr zu Grunde

Nicht selten stellt sich auch die Frage, welche Rechnung bei einer Lohnfortzahlung angewendet wird. Grundsätzlich gilt: Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung entspricht 100 Prozent des Bruttolohns. Das bedeutet für Arbeitnehmer, die jeden Monat eine festgesetzte Vergütung erhalten: Krankheitstage sorgen nicht für Veränderungen auf dem Lohnzettel, da der Arbeitgeber einfach weiterzahlt.

Auch eine ärztlich angeordnete Mutter-Kind-Kur rechtfertigt Entgeltfortzahlung.

Auch eine ärztlich angeordnete Mutter-Kind-Kur rechtfertigt Entgeltfortzahlung.

Selbst Angestellte, die individuell wechselnden Arbeitszeiten folgen, müssen so weiterbezahlt werden, als würden sie zur Arbeit kommen. Liegt eine stundenbezogene Vergütung vor, darf diese ebenfalls nicht einbehalten werden. In diesem Fall werden die ausgefallenen Arbeitsstunden mit dem vereinbarten Stundenlohn multipliziert und gezahlt. Mit der Ausnahme von dauerhaft anfallenden Überstunden sind Überstundenzuschläge und Prämien, die außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit anfallen, bei der Entgeltfortzahlung auszuklammern. Anfallende Sonn- und Feiertagszuschläge sind jedoch auch im Krankheitsfall zu zahlen.

Der ein oder andere Unternehmensleiter fragt sich vielleicht: Bekommt ein Arbeitgeber Entgeltfortzahlung erstattet? In der Regel müssen die Verantwortlichen ihre Mitarbeiter im Rahmen der Gesetzesvorgaben aus eigener Tasche weiterbezahlen. Es ist jedoch möglich, dass ein Chef eine Arbeitsunfähigkeitsversicherung abschließt. Durch den Versicherer kann es dann zu Erstattungen kommen.

Kommt es in der regulären Arbeitszeit zu einer leistbungsbezogenen Provision, müssen Vorgesetzte den im Krankheitszeitraum erzielbaren Durchschnittsverdienst bereitstellen. Laufende Leistungszulagen und Leistungsprämien sind dann zu zahlen.

Der Entgeltfortzahlung folgt nach 6 Wochen das Krankengeld

Besteht Arbeitsunfähigkeit durch ein Leiden über den Zeitraum von 42 Kalendertagen hinaus, wird die Entgeltfortzahlung durch das sogenannte Krankengeld abgelöst. Dieses zahlt nicht mehr der Arbeitgeber, sondern die zuständige Krankenkasse. Anders als bei der Lohnfortzahlung dürfen Arbeitnehmer dabei jedoch nicht länger darauf zählen, 100 Prozent der bisherigen Vergütung zu erhalten.

Beim erstmaligen Bezug wegen einer Krankheit beträgt Krankengeld nicht selten 70 Prozent des regulären Bruttoeinkommens. In keinem Fall kommt dabei mehr als 90 Prozent des Netto-Gehalts heraus. Es gibt jedoch einige Ausnahmeregelungen, die zu beachten sind:

  • Selbständige sowie Saisonarbeiter erhalten grundsätzlich kein Krankengeld.
  • Seit 2012 haben Organspender ein Anrecht auf ein Krankengeld, welches 100 Prozent ihrer Vergütung entspricht.

Wie bei der Entgeltfortzahlung müssen Arbeitnehmer jedoch auch beim Krankengeld darauf achten, die Vorgaben der EntgFG und die Regeln im Arbeitsvertrag einzuhalten. Andernfalls kann es auch beim Krankengeldbezug zu Problemen kommen. Diesbezüglich können Betroffene Hilfe bei einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht erhalten. Dieser kann seine Mandanten auch vor einem Arbeitsgericht verteidigen, um für ihre Rechte einzutreten.

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