Lohnabzug – Unter welchen Umständen darf Ihre Vergütung verringert werden?

Es kann ein Lohnabzug wegen einem Fehler vorgenommen werden, sagt § 276 BGB.

Es kann ein Lohnabzug wegen einem Fehler vorgenommen werden, sagt § 276 BGB.

In der Regel sieht es so aus: Für eine vertraglich vereinbarte Leistung erhalten Arbeitnehmer vom Arbeitgeber – ihrem Vertragspartner – eine Vergütung in bestimmter Höhe als Ausgleich.

Doch manchmal staunen sie beim Blick auf die monatliche Abrechnung nicht schlecht, da am Lohn Abzüge vorgenommen wurden und dementsprechend weniger Geld ausbezahlt wird.

Die Fragen, die Sie sich als Arbeitnehmer häufig stellen, sind: Darf Ihr Chef Ihnen einfach Gehalt oder Lohn kürzen? Unter welchen Umständen erlaubt das Arbeitsrecht einen Abzug? Diese und viele weitere nützliche Informationen zum Thema „Lohnabzug“ stellt dieser Ratgeber bereit.

Lohnabzug bei Krankheit – der wohl gängigste Fall

Mitarbeiter sind dazu angehalten, ihrer arbeitsvertraglich geschuldeten Verpflichtung nachzukommen und die vereinbarte Tätigkeit in der vorgeschriebenen Arbeitszeit zu erfüllen. Bisweilen hält sie jedoch eine Erkrankung davon ab, zur Arbeit zu erscheinen. Wird die vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung rechtzeitig eingereicht, erhalten sie trotz Fernbleibens in den ersten sechs Wochen weiterhin ihre Vergütung – so schreibt es das Entgeltfortzahlungsgesetz vor. Ein Lohnabzug wegen Krankheit darf daher in der Regel nicht erfolgen.

Sind Sie krank, können Abzüge beim Lohn trotzdem auf Sie zukommen. Laut Gesetzgeber darf Ihr Chef Ihnen in diesem Fall jedoch nicht die eigentliche Vergütung, sondern die Sondervergütungen verringern. Die maximale Höhe darf sich hier pro Tag des Fernbleibens wegen einer vorliegenden Erkrankung auf ein Viertel des durchschnittlichen täglichen Arbeitsentgelts belaufen (§ 4a Entgeltfortzahlungsgesetz).

Und wie sieht es in der Probezeit aus? Zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses wird in der Regel eine sogenannte Bewährungsphase vereinbart, die dem gegenseitigen Kennenlernen dient. In dieser Zeit begutachten Mitarbeiter und Chef sich gegenseitig ganz genau und entscheiden sich, ob sie gut miteinander arbeiten können und auch wollen oder eben nicht. Grundsätzlich darf deshalb auch kein Lohnabzug bei Krankheit in der Probezeit erfolgen.

Kann unentschuldigtes Fehlen eine Lohnkürzung nach sich ziehen?

Kann es bei einer Kündigung wegen Minusstunden zum Lohnabzug kommen? Nicht, wenn Sie damit nicht einverstanden sind.

Kann es bei einer Kündigung wegen Minusstunden zum Lohnabzug kommen? Nicht, wenn Sie damit nicht einverstanden sind.

Immer wieder für Ärger sorgen zu spät oder gar nicht eingereichte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die auch eine Abmahnung wegen Krankheit und bei Wiederholung eine Kündigung nach sich ziehen können.

Doch ist damit das Maß an möglichen Sanktionen bereits ausgeschöpft oder müssen Sie schlimmstenfalls auch noch mit einem verringerten Lohn rechnen?

Es ist rechtens, dass Ihr Arbeitgeber den Lohn kürzt. Allerdings ist er hierzu nur so lange befugt, wie Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung noch nicht nachgereicht haben. Liegt diese schließlich vor und entschuldigt Ihr Fernbleiben, gibt es keine Rechtfertigung mehr, den fälligen Betrag nicht auszubezahlen.

Darf bei Minusstunden ein Lohnabzug erfolgen?

In manchen Branchen sind Zeitkonten gang und gäbe. Das bedeutet: Über die gearbeiteten Stunden wird Buch geführt; kurzzeitige Mehrarbeit, die aufgrund von guter Auslastung erbracht wird, sammelt sich auf einem solchen Konto an und wird in Phasen mit weniger Aufträgen wieder abgebaut. In der Regel erhalten Arbeitnehmer jedoch in jedem Monat genauso viel Geld – auch, wenn sie mal mehr und mal weniger gearbeitet haben, denn: Am Ende gleichen sich die Arbeitsstunden ja wieder aus. Darf Ihr Arbeitgeber unter Umständen nun jedoch einen Lohnabzug bei Minusstunden vornehmen?

Er hätte dazu nur das Recht, wenn beide Vertragspartner mit dieser Regelung einverstanden wären und ihre Zustimmung beispielsweise im Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten hätten.

Ein wichtiger Parameter, bis zu welcher Höhe ein Lohnabzug vorgenommen werden darf, ist die sogenannte Pfändungsfreigrenze. Hierbei handelt es sich um einen Betrag, der als unbedingt notwendig erachtet wird, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Unterschritten werden darf dieser durch den Lohnabzug seitens des Arbeitgebers also nicht. Das Existenzminimum liegt derzeit bei 1.079,99 Euro netto im Monat, wenn keine Unterhaltszahlungen geleistet werden müssen. Berücksichtigt Ihr Arbeitgeber dies nicht, können Sie sich vertrauensvoll an einen Anwalt wenden. Dieser bietet sein Hilfe an und berät Sie umfänglich über mögliche Auswege.
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12 Gedanken zu „Lohnabzug – Unter welchen Umständen darf Ihre Vergütung verringert werden?

  1. D.

    Hallo. Bei uns in der Firma haben mehrere Mitarbeiter mehr wie 20 minusstunden. So in etwa 30-40. Da unser Geschäftsjahr am 31.1 immer endet behauptet der Chef das bis zum jeweiligen Datum den 31.1 alle Mitarbeiter auf diese 20 Stunden runter sein müssen. Klar haben die Mitarbeiter auch raucherpausen gemacht und dazu auch gestemmpelt. Jetzt hatder Chef bzw. Firma alle Mitarbeiter auf 20 minusstunden runter gestuft und will das mit dem Februar gehalt/ lohn verrechnen ohne die Belegschaft in irgendeiner Weise drüber zu informieren. Ist das rechtens????

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    1. arbeitsvertrag.org

      Hallo D.,

      bei selbstverschuldeten Minusstunden kann das Gehalt gekürzt werden. Sind die Minusstunden jedoch dadurch entstanden, dass Ihr Vorgesetzter Ihnen nicht genug Arbeit vorgelegt hat, dürfen Sie daraus keinen Nachteil ziehen und haben das Recht auf das gewohnte Gehalt.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

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  2. Katharina

    Hallo
    Ich habe meine derzeitige Stelle gekündigt, da ich eine neue Anstellung habe.
    Jetzt sagt mein Chef ich habe soviele Minusstunden angesammelt, das er mir die vom Lohn abziehen will.
    Die Minusstunden sind entstanden, da wir entweder verkürzte Öffnungszeiten hatten oder nicht genug los war und wir immer alleine arbeiten sollten, d.h. wir hatten jeden zweiten Tag frei. Also nicht mein Verschulden.
    Jetzt ist die Frage ist das Rechtens?
    Ich arbeite im Verkauf in einem Touristen Gebiet wo es saisonbedingte Unterschiede gibt von den Arbeitszeiten. Minusstunden holen wir im Sommer eigentlich wieder rein.
    In meinem Vertrag ist unten ein Zusatz wo steht: Wegen Saisonbetrieb können in der Hauptsaison Überstunden anfallen, die außerhalb der Saison wieder 1:1 abgegolten werden.

    Ist das schon eine Arbeitskonto Klausel, so das ich kein Recht auf volles Gehalt habe?
    Ich wäre sehr dankbar um Hilfe

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    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Katharina,

      unverschuldete Minusstunden, wie Sie beispielsweise durch zu wenig Kundenbetrieb auftreten, dürfen Ihnen niemals zur Last gelegt werden. Lassen Sie den Vertrag am besten von einem Anwalt für Arbeitsrecht prüfen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

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  3. Angela

    Liebes Arbeitsvertrag.org-Team,

    meine Freundin hat Anfang Juni einen Arbeitsvertrag unterschrieben aus dem hervorgeht, dass sie bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 36 Stunden ein Gehalt von 1500,- Euro bekommt. Nun ist sie seit einiger Zeit immer mal wieder unendschuldigt (ohne ärztliches Atest) nicht zur Arbeit gegangen, sie sagte mir, es wäre wegen ihrer 12-jährigen Tochter. Das Kind ist nicht behindert oder so etwas, “nur” eben in der Vorpupertät. Ich habe ihr gesagt, dass der Arbeitgeber unbezahlten Urlaub gelten machen könnte und ihren Lohn kürzen kann. Sie ist aber der Meinung, dass ihr ein Festgehalt von 1500,- Euro zusteht. Der Arbeitgeber müsse ihr den in jedem Falle monatlich auszahlen. Ich glaube, dass nicht und habe sie mehrfach gewarnt, dass sie auch den Arbeitsplatz verlieren könnte, zumal sie auch noch in der Probezeit (3 Monate) ist. Ich finde den Chef meiner Freundinjziemlich kulant, da er bisher noch keine Masnahmen ergriffen hat, obwohl sie dieses “Spielchen” schon seit einigen Wochen macht.
    Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Angela,

      Sie liegen richtig. Der Arbeitgeber kann hier ohne Probleme Abmahnungen aussprechen, die bei Wiederholung sogar zur fristlosen Kündigung führen können. Unentschuldigte Fehlzeiten können als Minusstunden gewertet werden und so zu Gehaltskürzungen führen. Innerhalb der Probezeit kann es bei solchem Fehlverhalten sogar besonders schnell zur Kündigung kommen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  4. Norbert

    Hallo

    Bei mir in der Firma ist es gängig Praxis dass Mitarbeitern die öfters Krank sind einfach mal der Lohn gekürzt wird während der Datenabgleich mit den Krankenkassen erfolgt. Natürlich wird dann nach gezahlt wenn es klar ist dass die Kürzung zu Unrecht erfolgt ist, dennoch ist es mehr als ärgerlich. In meinem Fall ist es so dass ich bis zum 07.07 auf Kur war, ab dem 08.07 bis 22.07 Urlaub hatte und ab dem 24.07 wieder normal gearbeitet habe. Vom 30.06 – 07.07 ist Übergangsgeld beim Rententräger fällig. Normal müsste ich also ab 08.07 wieder den Lohn bekommen…bekommen habe ich für den Monat Juli 0.00 Euros , also gar nichts, außer einer Nachzahlung für Juni von etwas mehr als 100 Euro. Auf Nachfrage kam die Antwort dass der Datenabgleich noch nicht abgeschlossen ist bzw. ein Schreiben von der Krankenkasse ergeben hätte dass der Vorfall noch nicht abgeschlossen wurde. Auf Frage warum dann nicht ab dem 08.07 bezahlt wird kam die Antwort dass man ja nicht wusste dass ich wieder arbeite. Auf Nachfrage bei der Kasse wurde gesagt dass kein Schreiben von der Krankenkasse an den AG geschickt wurde.

    Nun die Frage mal allgemein. Ab wann darf der Arbeitgeber kürzen. Wenn ich richtig informiert bin wird der AG von der Kasse doch rechtzeitig informiert sobald der AN in Krankengeld bzw. Übergangsgeld kommt. Und solange muss der AG doch immer dass volle Gehalt bezahlen auch wenn es dadurch eventuell eine Überzahlung geben könnte.

    Bitte um Info

    Mit freundlichen Grüßen
    Norbert

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Norbert,

      der Kürzung bzw. dem Lohnvorenthalt sind strikte und enge Grenzen gesetzt. Bitte wenden Sie sich an einen Anwalt, um die Praxis Ihres Arbeitgebers arbeitsrechtlich bewerten zu lassen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  5. Gabi

    Hallo. Ich hab heute meinen letzten Arbeitstag. Hatte einen freien Dienst Vertrag. War beschäftigt bei einer Genossenschaft und hab in einem Haus reinigungsarbeiten durchgeführt. Sollte im August noch Gehalt bekommen. Jetzt wurde mir kein Geld mehr ausbezahlt weil sie der Meinung sind ich hätte die arbeiten nicht mehr ordnungsgemäß durchgeführt und haben mir auch noch zusätzlich eine Rechnung geschickt für eine extra beauftragte reinigungsfirma. Obwohl meine Kündigungsfrist der 31. August ist. Sie meinten auch es gibt Beweis Fotos das es in dem Haus nicht sauber genug ist. Dürfen sie das einfach Gehalt einbehalten? Danke im vorraus

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Gabi,

      wenden Sie sich dazu an einen Anwalt. Aus den oben genannten Gründen darf der Arbeitgeber das Gehalt nicht einbehalten.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

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  6. Hagen

    Hallo, ich habe hier so ein Problem mit meinem lieben Arbeitgeber. Wir sind in der gastronmie tätig.
    Wir wurden vor 12 jahren vom Chef ohne Vertrag übernommen . vor einigen Jahren hat er mit einem neuen Geschäftsführer angefangen die Öffnungszeiten immer mehr nach unten zu trücken. Nach einem Gespräch hatten wir die einigung das die verkürzte Arbeitszeit auf 7 Std von 16 bis 23 als Lohnerhöhung gewertet wird. Betrifft von der Zeit nur die Spätschicht und den Spühler. die Minusstdunden will er dann vom Urlaub oder von den Feiertagen abziehen.
    Jetzt 2 Jahre später führen sie jetzt eine Elektronische Zeiterfassung ein. dabei wird uns automatisch eine halbe Std Pause abgezogen. Also nur noch 6,5 Std. das ist doch Lohnkürzung. ist das Rechtens ?
    Es betrifft mich nicht Persöhnlich, aber ich fühle mich für die Küchenangestellten verantwortlich
    würde mich über eine Verwertbare infos freuen
    mit freundlichen Grüßen Hagen

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Hagen,

      arbeitsvertragliche Änderungen sind in der Regel nicht für sie verbindlich, wenn Sie dem nicht selbst zugestimmt haben. Wenden Sie sich an einen Anwalt für Arbeitsrecht. Dessen Hilfe ist unverzichtbar, wenn Sie dagegen vorgehen wollen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten

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