Kann der Vorwurf Arbeitszeitbetrug eine Abmahnung nach sich ziehen?

Es handelt sich um Arbeitszeitbetrug, wenn der Rechner in der Arbeitszeit für Privatangelegenheiten gebraucht wird.

Es handelt sich um Arbeitszeitbetrug, wenn der Rechner in der Arbeitszeit für Privatangelegenheiten gebraucht wird.

In Geschäftsbeziehungen häufig unerlässlich ist die Abstimmung darüber, wie sich die Partner zu verhalten haben. Um festzuhalten, worauf Sie sich geeinigt haben, wird daher in der Regel ein Dokument aufgesetzt, das die wesentlichen Parameter dieser Absprachen festhält.

So ist es auch im Arbeitsrecht. Für den Arbeitnehmer relevant sind insbesondere folgende Informationen:

  • Wie viel Urlaubstage stehen mir zu?
  • Welche Vergütung erhalte ich im Gegenzug für die erbrachte Arbeitsleistung?
  • Welche Arbeitszeit ist zu beachten? Gibt es zum Beispiel Kernarbeitszeiten, die besagen, wann ich unbedingt am Arbeitsplatz anzutreffen sein muss?

Bekommt der Arbeitgeber Wind davon, dass Sie es mit den Zeitvorgaben nicht ganz so genau nehmen, kann er Ihnen schnell Arbeitszeitbetrug vorwerfen und auch eine Abmahnung aussprechen. Im Folgenden wird erläutert, welche Verhaltensweisen unter dem Begriff „Arbeitszeitbetrug“ zusammengefasst werden, was es mit einer Abmahnung in diesem Zusammenhang auf sich hat und ob Arbeitszeitbetrug auch eine Kündigung durch den Arbeitgeber zur Folge haben könnte.

Arbeitzeitbetrug: Worum handelt es sich konkret?

Sie erhalten eine Abmahnung, wenn die Arbeitszeit nicht eingehalten wird.

Sie erhalten eine Abmahnung, wenn die Arbeitszeit nicht eingehalten wird.

Mit Ihrer Unterschrift auf dem Arbeitsvertrag verpflichten Sie sich, bestimmte Dinge einzuhalten. Schließlich sind Sie wertvoller Bestandteil des Unternehmens, in dem Sie arbeiten und es wird mit Ihnen gerechnet. Zudem zahlt der Arbeitgeber Ihnen Geld dafür, dass Sie Ihre Arbeit ordnungsgemäß erledigen. Doch manche Arbeitnehmer nutzen die Arbeitszeit, um sich nicht arbeitsbezogenen Tätigkeiten zu widmen. Arbeitszeitbetrug kann ihnen deshalb unter folgenden Umständen vorgeworfen werden:

  • Sie nutzen den zu Arbeitszwecken zur Verfügung gestellten Internetzugang, um private E-Mails zu beantworten.
  • Sie telefonieren während der Arbeitszeit immer wieder und ausdauernd in nicht arbeitsgebundenem Kontext.
  • Sie rechnen mehr Stunden ab, als Sie tatsächlich geleistet haben.
Beim Schwindel um die Arbeitszeit handelt es sich demnach laut Arbeitsrecht um das Vorgaukeln einer erbrachten Leistung, die tatsächlich gar nicht erbracht wurde. Das ist der Grund, warum eine Abmahnung ins Haus flattern kann.

Kann Arbeitnehmern wegen Arbeitszeitbetrug auch die Kündigung drohen?

Eine Abmahnung hat laut Arbeitsrecht immer drei Funktionen:

  1. Sie weist auf ein Verhalten hin, das vom Arbeitgeber nicht erwünscht ist.
  2. Ein solches Schreiben macht deutlich, dass bei erneutem Auftreten des Fehlverhaltens gegebenenfalls schlimmere Folgen auf den Betroffenen zukommen.
  3. Da sie häufig schriftlich überreicht wird, dokumentiert sie für etwaige rechtliche Auseinandersetzungen ebenfalls, dass auf ein unerwünschtes Verhalten frühzeitig hingewiesen wurde.

Demnach kann Arbeitszeitbetrug spätestens dann mit einer Entlassung quittiert werden, wenn eine Abmahnung nicht zum vom Chef gewünschten Verhalten beim Mitarbeiter – nämlich dem Unterlassen des bemängelten Tuns – geführt hat.

Wann eine außerordentliche fristlose Kündigung ausgesprochen werden darf, ist oftmals Gegenstand von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Denn bei einer fristlosen Kündigung handelt es sich um ein relativ hartes Mittel, wird der Arbeitnehmer doch ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist vor die Tür gesetzt. In einem solchen Fall sind die Interessen der Vertragspartner gegeneinander abzuwägen und daran die Verhältnismäßigkeit der ergriffenen Maßnahmen abzuleiten. Vergleichsweise häufiger ist daher die ordentliche Kündigung.

Wie sieht eine Abmahnung wegen Arbeitszeitbetrug aus? Unser Muster zeigt es Ihnen

Bei wiederholtem Arbeitszeitbetrug ist auch eine Kündigung denkbar.

Bei wiederholtem Arbeitszeitbetrug ist auch eine Kündigung denkbar.

Unser Muster zur Abmahnung wegen Arbeitszeitbetrug können Sie sich auch herunter­laden. Es steht Ihnen als Word- sowie als PDF-Dokument kostenlos zur freien Verfügung.

Beachten Sie, dass es sich lediglich um eine Vorlage handelt, die anzupassen ist. Da sich der Vorwurf „Arbeitszeitbetrug“ ganz verschiedene Gesichter haben kann, ist diese Maßnahme unablässig.

Name des Unternehmens
Vor- und Zuname des Ansprechpartners
Straße und Hausnummer
Postleitzahl und Ort

Vor- und Zuname des Arbeitnehmers
Adresse des Arbeitnehmers
Postleitzahl und Wohnort

Ort, Datum

Muster einer Abmahnung wegen Arbeitszeitbetrug

Sehr geehrte(r) Frau/Herr [Name des Adressaten],
mit Bedauern mussten wir feststellen, dass Sie Ihre Arbeitszeiten nicht einhalten. Mehrmals stellte Ihr(e) Vorgesetzter/Vorgesetzte in der Vergangenheit fest, dass Sie sich unentschuldigt früher vom Arbeitsplatz entfernten oder später Ihre Pause ausdehnten – so geschehen am [Datum einfügen], wo Sie 20 Minuten später aus der Mittagspause zurückkehrten und auch am [Datum einfügen], wo Sie sich erst 30 Minuten nach Arbeitsbeginn am Arbeitsplatz einfanden. Hinzu kam in beiden Fällen auch, dass Sie sich während der Arbeitszeit auch mit Privatgesprächen vom Dienstapparat die Zeit vertrieben. Hiermit haben Sie gegen Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen, worauf wir Sie mit dieser Abmahnung hinweisen.

Bitte unterlassen Sie derlei Verhalten in Zukunft. Sollten wir erneut Kenntnis nehmen, dass Sie sich einen Arbeitszeitverstoß leisten, behalten wir uns vor, weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen zu ergreifen. Dazu gehört ausdrücklich unter Umständen auch eine fristlose Kündigung.

Dieses Schreiben wird als Kopie Eingang in Ihre Personalakte finden.

Mit freundlichen Grüßen

__________________________
Unterschrift des Arbeitgebers

__________________________
Unterschrift des Arbeitnehmers

Abmahnung erhalten am: __________________________

Haben Sie eine Abmahnung oder gar Kündigung wegen Arbeitszeitbetrug erhalten, die Sie für nicht gerechtfertigt halten? Dann hilft ein Gang zum Rechtsanwalt bzw. einer Kanzlei, die sich speziell mit dem Arbeitsrecht befasst. Die hier tätigen Advokaten haben gegebenenfalls schon langjährige Erfahrung mit diesem Thema und kennen auch das ein oder andere Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG), auf das Sie sich berufen können. Zudem vertritt ein Anwalt Sie auch vor Gericht, sofern Sie sich dazu entschließen, Klage einzureichen.

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