Die Überstundenregelung im Arbeitsrecht

Muss man Überstunden machen? In der Regel kommt es darauf an, was im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag steht.

Muss man Überstunden machen? In der Regel kommt es darauf an, was im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag steht.

Nahezu jeder Arbeitnehmer kennt das Problem: Der Termindruck zur Fertigstellung einer Aufgabe wird immer größer, es ist aber noch eine ganze Menge zu tun. Und nun?

Viele Arbeitnehmer entschließen sich dann die Arbeitszeit auszudehnen, um rechtzeitig fertig zu werden. Private Verpflichtungen müssen vorerst zurückstehen.

Werden Sie hierfür entlohnt? Schließlich leisten Sie Mehrarbeit. Und müssen Sie auch in Teilzeit Überstunden leisten?

Der folgende Artikel gibt Auskunft darüber, was Sie zur Überstundenregelung wissen müssen.

Spezielle Informationen rund um die Überstunden im Arbeitsrecht

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Azubi-Überstunden

Erfahren Sie hier, unter welchen Umständen Auszubildende Überstunden machen dürfen.

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Überstundenabbau

Geleistete Überstunden können mit Freizeitausgleich abgebaut werden.

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Überstunden auszahlen

Können Überstunden nicht mehr durch freie Tage ausgeglichen werden, können sie ausgezahlt werden.

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Überstunden berechnen

Mit welcher Formel Sie Ihre Überstunden und die Bezahlung berechnen können, erläutert dieser Ratgeber.

Was sagt die gesetzliche Regelung zum Thema Überstunden?

Wie lange Arbeitnehmer am Tag maximal arbeiten dürfen, ist im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) festgehalten. Der Gesetzgeber definiert hierin, dass pro Werktag höchstens acht Stunden erlaubt sind. Spätestens nach sechs Stunden ist eine Pause einzulegen, die der Regeneration und Erholung dient.

Im Arbeitsrecht gibt es selten Regelungen ohne Ausnahmen, so auch hier. Erlaubt wird die tägliche Ausdehnung auf bis zu zehn Stunden, allerdings nur, wenn binnen:

  • sechs Kalendermonaten oder
  • 24 Wochen

durchschnittlich wieder eine Arbeitszeit von maximal acht Stunden pro Werktag erreicht wird. Auf diese Weise darf grundsätzlich vorrübergehend länger gearbeitet werden.

Überstunden anordnen – Darf das der Arbeitgeber?

Wie viele Stunden Sie in der Woche arbeiten müssen, darauf haben Sie sich im Arbeitsvertrag mit Ihrem Chef geeinigt. Viele Arbeitsverträge enthalten eine sogenannte Überstundenklausel, die besagt, in welchem Umfang Mehrarbeit zu leisten ist. Eine Formulierung, die pauschal das Ableisten von Mehrarbeit verlangt, ist in der Regel nicht rechtens, da der Arbeitnehmer nicht in der Lage ist, abzuschätzen, wie viele Überstunden ihm bevorstehen. Es muss daher eine genaue Regelung getroffen werden.

Nicht nur im individuellen Arbeitsvertrag, auch in Betriebsvereinbarungen oder einem Tarifvertrag kann festgehalten sein, wie die Überstundenregelungen aussehen.

Übrigens: Die gesetzliche Überstundenregelung sieht vor, dass in bestimmten Ausnahmesituationen über die vereinbarten Stunden hinweg, Mehrarbeit verlangt werden kann. Auf die Frage „Muss ich Überstunden machen?“ gibt es deshalb die Antwort: Ja, wenn sie vereinbart wurden oder eine unvorhergesehene Situation eintritt, die das Unternehmen nicht hätte vermeiden können.

Arbeiten in Teilzeit – was die Überstundenregelung hier sagt

Bei der Überstundenregelung in Teilzeit sollten Sie darauf achten, ob auf einmal eine Vollzeitstelle draus wird.

Bei der Überstundenregelung in Teilzeit sollten Sie darauf achten, ob auf einmal eine Vollzeitstelle draus wird.

Gehen Sie einer Arbeit in Teilzeit nach, also 30 Stunden oder weniger pro Woche, sind Überstunden in der Regel nicht von Ihnen zu verlangen.

Es kann jedoch Ausnahmen geben, wenn ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung andere Vorgaben machen. Ebenfalls können – sehr selten eintretende – Notsituationen das Ableisten von Überstunden erforderlich machen.

Beachten Sie im Arbeitsrecht bei der Überstundenregelung: Angesichts regelmäßig geleisteter Mehrarbeit können Sie schnell von der Teilzeitarbeit in den Vollzeitjob rutschen. Durch die Veränderung der Arbeitszeiten wird eine stillschweigende Änderung des Arbeitsvertrages vorgenommen.

Überstundenregelung öffentlicher Dienst – Was gilt für Beschäftigte in diesem Bereich?

Für die Bediensteten im öffentlichen Dienst, gibt es einen Tarifvertrag (TVöD), der in § 7 „Sonderformen der Arbeit“ festhält, dass Überstunden vom Vorgesetzten anzuordnen sind.

Zudem werden sie als solche bezeichnet, wenn sie nicht bis zum Ende der folgenden Kalenderwoche in Form von Freizeit ausgleichbar sind.

Die Überstundenregelung in Deutschland – Müssen Überstunden vom Arbeitgeber bezahlt werden?

Mit welcher Vergütung Sie für Überstunden rechnen können, ist abhängig davon, was im Tarif- oder Arbeitsvertrag vereinbart wurde. Ist hierin nicht vermerkt, wie Sie für geleistete Überstunden entlohnt werden, findet sich eine Überstundenregelung im Gesetz (§ 612 BGB – Bürgerliches Gesetzbuch).

(1) Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Dienstleistung den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.
(2) Ist die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, so ist bei dem Bestehen einer Taxe die taxmäßige Vergütung, in Ermangelung einer Taxe die übliche Vergütung als vereinbart anzusehen.“

Achtung: Wie viel Geld pro Stunde Sie erhalten, ist demnach abhängig davon, was durchschnittlich in der Branche bzw. dem Betrieb gezahlt wird. Auch Tarifverträge können hier zur Bemessung herangezogen werden, selbst wenn Sie in Ihrem Betrieb eigentlich keine Anwendung finden.

Zur Bezahlung von Überstunden: Eine konkrete gesetzliche Regelung, die besagt, wie viel Euro brutto Sie pro geleisteter Überstunde erhalten, gibt es nicht. Arbeiten Sie hingegen jeden Monat gleich viel und erhalten dafür immer den gleichen Lohn, haben Sie einen Anspruch darauf, eine Vergütung zu erhalten, die Ihrem regulären Stundensatz entspricht.

Für Auszubildende gibt es eine Überstundenregelung, die gesetzlich festgeschrieben ist. Im Berufsbildungsgesetz (BBiG – § 17) steht, dass Arbeitszeiten, welche die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit sprengen, besonders zu entlohnen sind. Alternativ ist ebenfalls das Abbummeln der Mehrarbeit erlaubt.

Die gesetzliche Überstundenregelung für Auszubildende in Deutschland sieht eine Vergütung oder einen Freizeitausgleich vor.

Die gesetzliche Überstundenregelung für Auszubildende in Deutschland sieht eine Vergütung oder einen Freizeitausgleich vor.

Übrigens: Es gibt eine Beitragsbemessungsgrenze, die in Verbindung damit steht, wie viel ein Arbeitnehmer brutto verdient. Hiervon ist abhängig, wie viel Geld an die Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung zahlen müssen. Sie ist ebenfalls von Bedeutung für die Vergütung bei der Überstundenregelung.

Verdienen Sie nämlich mehr als 74.400 Euro im Jahr im Westen Deutschlands und mehr als 64.800 Euro pro Jahr im Osten der Republik, ist es unter Umständen rechtens, dass Sie Ihre geleisteten Überstunden nicht bezahlt bekommen (BAG, Az. 5 AZR 765/10).

Wie sieht die Überstundenregelung bei Kündigung aus?

Für die meisten wird die Frage nach der Überstundenregelung und ihrer Bezahlung richtig interessant, wenn sie selbst die Kündigung einreichen oder gekündigt werden. Häufig wollen Arbeitnehmer dann so schnell wie möglich weg oder sich die geleisteten Überstunden ausbezahlen lassen.

Viele Arbeitgeber forcieren beim Austritt aus einem Unternehmen die Unterzeichnung einer sogenannten Ausgleichsquittung. Kommen Sie diesem Wunsch nach, verzichten Sie gegebenenfalls auf alle etwaigen zur Bezahlung von Überstunden und sonstigen Ansprüche. Gehen Sie deshalb mit Bedacht vor, bekommen Sie ein solches Dokument vorgelegt.

Niemand kann von Ihnen verlangen, mit Ihrer Unterschrift den Forderungen zuzustimmen. Egal wie viel Druck der Arbeitgeber also macht, nehmen Sie sich die notwendige Zeit, das Schreiben genau durchzulesen und die Konsequenzen abzuwägen. Benötigen Sie Hilfe, bieten diverse Rechtsanwälte mit Schwerpunkt Arbeitsrecht ihre Unterstützung in dieser und anderen Fragen zum Recht an. Diese prüfen das Material bis ins kleinste Detail und erörtern Ihnen die richtige Strategie.

8 Gedanken zu „Die Überstundenregelung im Arbeitsrecht

  1. G. Jörns

    Guten Morgen
    Mein Arbeitgeber möchte einen neuen Arbeitsvertrag aufsetzen mit einer 40 Std Woche bei vollem Lohnausgleich
    Derzeit arbeite ich 38,5 Std /Woche und hatte bisher immer nur Zusätze zum bestehendem Arbeitsvertrag
    Kann sich ein neu aufgestzter Arbeitsvertrag negativ auswirken oder kann ich mich darauf einlassen?

    Antworten
    1. arbeitsvertrag.org

      Hallo Frau Jörns,
      es kommt ganz darauf an, welche Klauseln der Ihnen vorgelegte Arbeitsvertrag enthält. Es empfiehlt sich in der Regel, den Vertragsentwurf einem versierten Rechtsanwalt zu präsentieren und auf seine Fallstricke hin beurteilen zu lassen.
      Das Arbeitsvertrag.org-Team

      Antworten
  2. Sarah

    Liebes Team von Arbeitsvertrag.org,

    Ich befinde mich in einem befristeten Arbeitsverhätnis (bis 08/17) möchte aber zum 01.07. kündigen dank eines neuen Job-Angebots. Mit meiner Kündigungsfrist müsste ich mit Zeitpunkt der Zustellung der Kündigung (vorraussichtlich 30.05.) noch bis zum 30.06. arbeiten. Binnen der Zeit habe ich noch 2 Wochen (10 U-Tage) Urlaub.

    Mit jetzigem Stand habe ich ca 90 Überstunden und noch Resturlaub. Binnen der Kündigungsfrist ist es nicht möglich diese in Freizeit auszugleichen: Chef selbst 2 Wochen in Urlaub, danach ich (ebenfalls in der Geschäftsführung).

    – es handelt sich um einen Tarifvertrag (Dehoga und NGG)
    – Habe ich sicher Anspruch darauf die Überstunden ausbezahlt zu bekommen?
    – wie sieht es mit „offenen Feiertagen“, an denen ich bisher keinen Freizeitausgleich bekam?
    – die Kündigung erfolgt zum 01.07. : hab ich rechtlich Anspruch auf abgeltung des Resturlaubs? Der kann ja nicht mehr genehmigt werden.

    – Wie muss ich meine Forderungen in der Kündigung formulieren?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Sarah,

      nach der Kündigung haben Sie das Recht darauf, die Überstunden ausgezahlt zu bekommen, die nicht ausgeglichen werden konnten. Bei einer Kündigung bis zum 30. Juni (also in der ersten Jahreshälfte) haben Sie auch den Anspruch auf Auszahlung von 1/12 des Jahresurlaubs für jeden Monat des Jahres, den Sie noch im Unternehmen tätig waren. Der restliche Urlaub kann beim neuen Arbeitgeber geltend gemacht werden. Eine Kündigung ab dem 1. Juli sorgt für den vollen Urlaubsanspruch. Dieser muss dann also komplett ausgezahlt werden, wenn er nicht wahrgenommen wurde. Hilfe bei der Formulierung kann Ihnen ein Anwalt für Arbeitsrecht liefern. An sich reicht es jedoch, wenn Sie schriftlich auf Ihre Ansprüche hinweisen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

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  3. s.gatzsch

    Liebes Team von Arbeitsvertrag.org,

    bei mir ist die lage ziemlich kniffelig. ich habe eine Änderungskündigung bekommen. dem neuen arbeitsvertrag kann und will ich aber nicht zustimmen. arbeitgeber hat die 4 wochen kündigungsfrist eingehalten, allerdings bin ich a noch krank geschrieben und b habe ich noch urlaub und über 100 überstunden. (15std woche). wir haben immer überstunden gesammelt um sie im winter wenn es ruhig ist ab zu bummeln. ich habe sie in meinem buch genau dokumentiert und chefin hat in ihrem pc auch alle std. allerdings befürchte ich jetzt, das sie sich dumm stellt und sagt ich hätte keine überstunden..wie soll ich mich verhalten?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo S.,

      normalerweise müssen Sie als Arbeitnehmer nachweisen, dass die Überstunden tatsächlich geleistet wurden und nötig waren. Wenden Sie sich dazu am besten an einen Anwalt für Arbeitsrecht.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  4. Simone

    Liebes Team von Arbeitsvertrag.org!
    Wir arbeiten bei einen Druckdiensleister,für den wir viel für Messen arbeiten und somit in dieser Zeit viele Überstunden leisten, die auf einem Arbeitzzeitkonto (AZK) angespart werden. In den Sommermonaten, bei geringer Auftragslage, sollen/müssen wir diese Stunden abbummeln. Es ist vertraglich nicht geregelt, ob wir auch einen Tag freimachen können, wenn für uns 4 Mitarbeiter der Abteilung, nicht genug Arbeit da ist. In diesen Fall hat unsere Chefin uns einfach Urlaub eingetragen,ohne uns vorab darüber informiert zu haben. Hat sie als AG das Recht dazu, da wir vom AZK Stunden als Ausgleich genommen haben.

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Simone,

      liegen keine gesonderten Absprachen oder Vereinbarungen vor, darf der Arbeitgeber den Zeitpunkt des Freizeitausgleiches bestimmen. Nur beim gesetzlichen Urlaub müssen auch die Interessen des Arbeitnehmers gewahrt werden.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten

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