Mindestlohn in Europa: Wer verdient was?

Mindestlohn: Was verdient Europa?

Mindestlohn: Was verdient Europa?

Um zu gewährleisten, dass Vollzeit­beschäftigte mit ihrem Einkommen für ihre gesamten Lebenshaltungskosten aufkommen können und nicht zusätzlich auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, wurde im Jahr 2015 ein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland eingeführt. Damals lag die Lohnuntergrenze bei 8,50 Euro brutto pro Stunde.

Alle zwei Jahre kommt eine spezielle Kommission aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern zusammen, um über eine mögliche Anpassung des Mindestlohns abzustimmen. Seit dem 1. Januar 2019 müssen deutsche Arbeitnehmer aufgrund einer beschlossenen Mindestlohnerhöhung mit mindestens 9,19 Euro brutto pro geleistete Arbeitsstunde entlohnt werden.

Sieht es in anderen europäischen Ländern ähnlich aus? Gilt der Mindestlohn überhaupt in ganz Europa? Wo profitieren Arbeitnehmer möglicherweise nicht von einer gesetzlichen Lohnuntergrenze? Und in welchem Umfang unterscheiden sich die Mindestlöhne in Europa? Antworten auf diese Fragen erhalten Sie in unserem Ratgeber.

Spezifische Mindestlöhne in Europa:

Mindestlohn in Großbritannien

Mindestlohn in Großbritannien

Unterscheidet sich der Mindestlohn in England vom deutschen Grundgehalt? Hier erfahren Sie es!

Mindestlohn in Österreich

Mindestlohn in Österreich

Gibt es auch beim südlichen Nachbarn einen Mindestlohn? Hier gibt es alle wichtigen Infos dazu!

Mindestlohn in der Schweiz

Mindestlohn in der Schweiz

Hier verraten wir, ob in der Schweiz ein Grundlohn für alle Arbeitnehmer existiert!

Mindestlohn in Luxemburg

Mindestlohn in Luxemburg

Hier lesen Sie, inwiefern der Mindestlohn in Luxemburg in zwei Kategorien eingeteilt wird!

Mindestlohn: Profitieren alle EU-Länder davon?

Die Europäische Union (EU) besteht aktuell aus insgesamt 28 Mitgliedsstaaten (Stand: Januar 2018). In den meisten dieser Staaten erhalten Arbeitnehmer einen branchenübergreifenden gesetzlichen Mindestlohn. In Europa gibt es jedoch auch Länder, in denen zumindest keine vom Gesetzgeber festgelegte Lohnuntergrenze gilt. Dies trifft auf folgende Staaten der EU zu:

Mindestlohn in Europa: Wer erhält ihn, wer nicht?

Mindestlohn in Europa: Wer erhält ihn, wer nicht?

  • Österreich
  • Schweden
  • Dänemark
  • Italien
  • Zypern
  • Finnland

Dies muss nicht automatisch heißen, dass in diesen Ländern keine Mindestlöhne existieren. Allerdings wird dort meist aufgrund einer garantierten hohen Tarifbindung ausschließlich über Tarifverträge zwischen den jeweiligen Parteien geregelt, wie viel Beschäftigte mindestens für getane Arbeit erhalten. Nicht immer muss der Mindestlohn in Europa demzufolge vom Gesetzgeber vorgeschrieben sein.

In 22 der 28 EU-Mitgliedsstaaten gilt jedoch ein gesetzlich festgesetzter Mindestlohn. Dies muss aber nicht bedeuten, dass die in Deutschland geltenden 9,19 Euro brutto pro geleistete Arbeitsstunde auch in den restlichen Ländern Europas gezahlt werden müssen. Vielmehr setzt jedes Land seine eigene Höhe fest; es existiert demzufolge kein einheitlicher Mindestlohn für ganz Europa.

Der Mindestlohn in Europa im Vergleich

Besonders deutlich wird dies bei einem Vergleich zwischen Ost und West. In den östlichen Ländern fällt der Mindestlohn um einiges geringer aus als im Westen. In Polen beispielsweise liegt die gesetzliche Lohnuntergrenze bei 2,65 Euro, in Litauen bewegt sie sich aktuell bei 2,32 Euro. In Rumänien müssen Arbeitnehmer sogar mit nur mindestens 1,65 Euro in der Stunde entlohnt werden. Slowenien bildet mit aktuell 4,65 Euro im Osten Europas definitiv eine Ausnahme.

Der Mindestlohn im westlichen Europa ist in der Regel um einiges höher. In Frankreich beträgt er z. B. 9,76 Euro. Französische Arbeitnehmer profitierten übrigens bereits im Jahr 1950 von einer allgemeinen gesetzlichen Lohnuntergrenze. 20 Jahre später wurde dort der sogenannte „wachstumsorientierte berufsgruppenübergreifende Mindestlohn“ (kurz: SMIC) eingeführt, der jährlich angepasst wird.

Wo wird der niedrigste Mindestlohn in Europa gezahlt?

Wo wird der niedrigste Mindestlohn in Europa gezahlt?

Niederländische Beschäftigte müssen mit mindestens 9,52 Euro entlohnt werden. In Belgien sind es 9,28 Euro. Auch wenn Deutschland mit seinen aktuell 8,84 Euro pro Stunde sich etwas unterhalb der anderen westlichen Staaten befindet, liegt die gesetzliche Lohnuntergrenze für deutsche Arbeitnehmer im Vergleich zum sonstigen Mindestlohn, der in Europa gezahlt wird, durchaus im oberen Bereich.

Um Ihnen einen genaueren Überblick zu verschaffen und die Frage zu beantworten, wer denn nun am meisten und wer am wenigsten verdient, haben wir Ihnen alle europäischen vom Gesetz festgelegten Lohnuntergrenzen in einer Tabelle zusammengefasst; geordnet vom höchsten bis zum niedrigsten Mindestlohn in Europa:

EU-Land Mindestlohn (in Euro)
Luxemburg11,55
Frankreich9,88
Niederlande9,68
Irland9,55
Belgien9,47
Deutschland8,84
Großbritannien8,56 (abhängig vom jeweiligen Wechselkurs)
Slowenien4,84
Spanien4,46
Malta4,31
Portugal3,49
Griechenland3,39
Estland2,97
Polen2,85
Tschechien2,78 (abhängig vom jeweiligen Wechselkurs)
Slowakei2,76
Kroatien2,66
Ungarn2,57
Lettland2,54
Rumänien2,50
Litauen2,45
Bulgarien1,57

Stand: Januar 2018 (Quelle: Statista)

Der höchste Mindestlohn in Europa wird in Luxemburg gezahlt.

Der höchste Mindestlohn in Europa wird in Luxemburg gezahlt.

Daraus wird deutlich, dass der höchste Mindestlohn in Europa in Luxemburg gezahlt wird: Mindestens 11,27 Euro verdienen Arbeitnehmer im Großherzog­tum, das übrigens 1944 als erstes europäisches Land eine gesetzliche Lohnuntergrenze einführte. Zusätzlich findet dort eine Staffelung je nach Qualifikation und Alter Anwendung.

Ist ein Arbeitnehmer über 18 und zudem noch qualifiziert für die jeweilige Tätigkeit, profitiert er dementsprechend von einem noch höheren Mindestlohn als ein Mitarbeiter zwischen 15 und 17 Jahren ohne die entsprechende Qualifikation. Normalerweise ist hier von 20 Prozent mehr auszugehen.

Den niedrigsten Mindestlohn in Europa erhalten Arbeitnehmer in Bulgarien: Gerade einmal 1,42 Euro pro Stunde müssen bulgarische Arbeitgeber ihren Mitarbeitern pro geleistete Stunde Arbeit mindestens zukommen lassen. Damit beträgt das monatliche Gehalt eines Beschäftigten in Bulgarien nicht einmal 500 Euro brutto.
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