Welchen Jahresurlaubsanspruch haben Arbeitnehmer?

Jahresurlaubsanspruch: Wie viele Urlaubstage sind pro Jahr gesetzlich vorgeschrieben?

Von arbeitsvertrag.org, letzte Aktualisierung am: 14. November 2020

Welchen Jahresurlaubsanspruch haben Arbeitnehmer?
Welchen Jahresurlaubsanspruch haben Arbeitnehmer?

In Deutschland verbringen einige Beschäftigte wohl den Großteil des Jahres auf der Arbeit. Um sich von den Strapazen des Arbeitsalltags erholen zu können, spricht der Gesetzgeber jedem Arbeitnehmer einen bestimmten Mindestjahresurlaub zu. Die Vorgaben dazu befinden sich im sogenannten Bundesurlaubsgesetz (BUrlG).

Wie viele Urlaubstage im Jahr genau vorgeschrieben sind und wie Sie als Mitarbeiter Ihren persönlichen Jahresurlaubsanspruch ermitteln können, erfahren Sie in diesem Ratgeber. Darüber hinaus informieren wir Sie darüber, was mit dem Mindesturlaub im Jahr bei einer Kündigung geschieht und wann die jährlichen Urlaubstage spätestens verfallen.

Kompaktwissen: Gesetzlicher Jahresurlaubsanspruch

Wie viel Urla‌ub steht mir im Jahr zu?

Bei einer Fünf-Tage-Woche liegt der jährliche Urlaubsanspruch laut Gesetz bei mindestens 20 Tagen. In einem Arbeits- oder Tarifvertrag kann allerdings ein höherer Jahresurlaubsanspruch vereinbart werden.

Wie kann ich meinen Jahresurlaub berechnen?

Wie Sie bei der Berechnung vom Jahresurlaubsanspruch vorgehen müssen, erklären wir hier.

Wann verfällt der Jahresurlaub?

Normalerweise haben Sie bis zum 31. März Zeit, um den Urlaub aus dem vergangenen Jahr zu verbrauchen. Ansonsten verfällt er. Mehr dazu erfahren Sie an dieser Stelle.

Was besagt das Bundesurlaubsgesetz zum Jahresurlaub?

Bei einer Fünf-Tage-Woche beträgt der Jahresurlaubsanspruch mindestens 20 Tage.
Bei einer Fünf-Tage-Woche beträgt der Jahresurlaubsanspruch mindestens 20 Tage.

„Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.“ – Dieser Grundsatz befindet sich gleich im ersten Paragraphen des Bundesurlaubs­gesetzes. Soweit so gut. Was wohl die meisten Beschäftigten daraufhin interessiert, ist jedoch, wie viele Tage Urlaub im Jahr genau gesetzlich vorgeschrieben sind.

Gemäß § 3 BUrlG liegt der gesetzliche Jahresurlaubsanspruch bei insgesamt 24 Werktagen. Als solche gelten alle Tage, die keine Sonntage oder gesetzlichen Feiertage sind, also Montag bis Samstag. Das Gesetz geht hier also von einer Sechs-Tage-Woche aus. Da allerdings mittlerweile eher das Modell der Fünf-Tage-Woche vorherrschend ist, fällt der verpflichtende Urlaub pro Jahr entsprechend etwas geringer aus.

In Bezug auf den Urlaubsanspruch im Jahr spielt es demzufolge keine Rolle, wie viele Stunden pro Woche Sie Ihrer Tätigkeit nachgehen, sondern an wie vielen Tagen. Der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, wie hoch Ihr Jahresurlaubsanspruch bei wie vielen wöchentlichen Arbeitstagen sein muss:

Arbeitstage pro WocheGesetzliche Urlaubstage im Jahr
624
520
416
312
28
14

Wichtig: Das Bundesurlaubsgesetz hält lediglich die Mindestvorschriften zum Jahresurlaubsanspruch fest. Sowohl in Ihrem Arbeitsvertrag als auch in einem für Sie geltenden Tarifvertrag können sich Vorschriften zum Urlaub befinden, die von den gesetzlichen Regelungen abweichen. Daraus dürfen sich allerdings ausschließlich Vorteile für Sie ergeben. Die Anzahl der jährlichen Mindesturlaubstage darf demzufolge nur über-, aber niemals unterschritten werden.

Jahresurlaubsanspruch: Was gesetzlich in der Probezeit gilt

In der Probezeit können Sie Ihren Jahresurlaub anteilig nutzen.
In der Probezeit können Sie Ihren Jahresurlaub anteilig nutzen.

Wenn Sie eine neue Stelle antreten, wird nicht selten eine sechsmonatige Probezeit im Arbeitsvertrag vereinbart. In dieser Zeit können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer sozusagen erst einmal „beschnuppern“ und schauen, ob es mit der Zusammenarbeit klappt.

Arbeitnehmer können laut § 4 BUrlG erst dann von ihrem vollen Urlaubsanspruch im Kalenderjahr Gebrauch machen, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate lang ohne Unterbrechung Bestand hatte.

Daher fragen sich einige Mitarbeiter logischerweise, ob Sie während der Probezeit überhaupt Urlaub nehmen dürfen. Diese Frage ist mit „Ja“ zu beantworten. Beschäftigte müssen nicht sechs Monate lang durcharbeiten, bevor Sie ihren Jahresurlaubsanspruch nutzen können. Vielmehr steht ihnen ihr Jahresurlaub anteilig zu. Für jeden vollen Arbeitsmonat schalten Sie ein Zwölftel des Urlaubsanspruchs pro Jahr frei. Bei 20 jährlichen Urlaubstagen wären dies beispielsweise 1,7 Tage pro Monat.

So funktioniert die Berechnung vom Jahresurlaub

Sind Sie sich unsicher darüber, wie hoch Ihr gesetzlicher Jahresurlaub genau ausfällt, können Sie das Ganze mit Leichtigkeit selbst berechnen. Dabei kommt diese Formel zum Einsatz:

Jährliche Urlaubstage / Wochenarbeitstage x tatsächliche Arbeitstage in der Woche = Jahresurlaubsanspruch

Um das Ganze noch etwas zu verdeutlichen, hier ein Beispiel:

Wie können Sie Ihren Jahresurlaubsanspruch berechnen?
Wie können Sie Ihren Jahresurlaubsanspruch berechnen?
  • Alexander hätte bei einer Fünf-Tage-Woche mindestens 20 Tage Jahresurlaub laut Gesetz.
  • Er arbeitet allerdings nicht an fünf, sondern nur an zwei Tagen in der Woche.
  • In seinem Fall würde die Berechnung also folgendermaßen aussehen: 20 jährliche Urlaubstage / 5 Wochenarbeitstage x 2 tatsächliche Arbeitstage = Jahresurlaubsanspruch von 8 Tagen

Diese Formel ist vor allem dann hilfreich, wenn Sie den jährlichen Urlaubsanspruch bei einer Teilzeitstelle berechnen möchten. In diesem Fall gilt außerdem: Sie müssen nur an den Tagen Urlaub nehmen, an denen Sie auch tatsächlich gearbeitet hätten. Die Tage in der Woche, an denen Sie ohnehin frei haben, können Sie dabei in der Regel außenvorlassen.

Wie hoch ist der Anspruch auf Jahresurlaub bei einer Kündigung?

§ 7 Absatz 4 BUrlG befasst sich damit, was mit dem restlichen Jahresurlaubsanspruch im Falle einer Kündigung passiert. Dort heißt es:

Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten.“

Können Sie den Jahresurlaub, der Ihnen gesetzlich zusteht, nicht mehr beanspruchen, weil Sie gekündigt haben oder entlassen wurden, ist Ihr Arbeitgeber demzufolge dazu verpflichtet, Sie für die übrigen Tage mit einem Urlaubsentgelt zu entschädigen. Doch wie viele Tage stehen Ihnen im Falle einer Kündigung überhaupt noch zu? In diesem Fall ist der restliche Jahresurlaubsanspruch abhängig davon, wann Sie das Unternehmen genau verlassen:

  • Zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni: Hier steht Ihnen abermals nur ein anteiliger Jahresurlaub zu. Für jeden vollen Arbeitsmonat erhalten Sie ein Zwölftel des jährlichen Urlaubsanspruchs.
  • Zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember: In einer solchen Situation können Sie Ihren kompletten Urlaub im Jahr beanspruchen, sofern Sie seit dem 1. Januar im Betrieb angestellt waren.

Wie lange dauert es, bis der Jahresurlaub verfällt?

Wann verfällt der Jahresurlaubsanspruch?
Wann verfällt der Jahresurlaubsanspruch?

Arbeitnehmer können ihren Jahresurlaubsanspruch nicht beliebig lange ansparen und dann beispielsweise monatelang nicht zur Arbeit erscheinen. Daher legt das Bundesurlaubsgesetz fest, dass der Urlaub im Regelfall im laufenden Kalenderjahr beansprucht werden muss.

Nur in Ausnahmefällen kann er auf das nächste Jahr übertragen werden. § 7 Absatz 3 BUrlG besagt dazu:

[…] Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen. Im Fall der Übertragung muß [sic] der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahrs gewährt und genommen werden.“

Daraus ergibt sich: Selbst, wenn der Arbeitgeber einer Übertragung des Resturlaubs ins neue Jahr zustimmt, müssen Sie die übrigen Tage spätestens bis zum 31. März verbraucht haben. Lassen Sie dieses Datum verstreichen, verfällt der restliche Jahresurlaubsanspruch aus dem vorherigen Jahr und Sie können nicht mehr von den Erholungstagen profitieren, die Ihnen eigentlich zugestanden hätten.

Bildnachweise: depositphotos.com/czdistagon, fotolia.com/Danil Nikonov, fotolia.com/cristianbalate, fotolia.com/Jurapix, depositphotos.com/digitex

Quellen und weiterführende Links

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