Weihnachtsgeld: Wann wird es gezahlt?

Weihnachtsgeld wird meistens mit dem Novembergehalt überwiesen.

Weihnachtsgeld wird meistens mit dem Novembergehalt überwiesen.

Um sich den Lebensunterhalt finanzieren zu können, gehen Arbeitnehmer täglich zur Arbeit. In Vollzeit werden von Montag bis Freitag acht Stunden auf der Arbeitsstätte verbracht. Dort wird konzentriert und ausdauernd gearbeitet, damit am Ende eines Monats der Lohn auf dem Konto landet.

Besonders zum Jahresende sehen einige Arbeitgeber daher für die Tüchtigkeit der Arbeitnehmer ein sogenanntes Weihnachtsgeld vor. Aber nicht jedes Unternehmen zahlt seinen Arbeitnehmern Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Ist die Auszahlung vom Weihnachtsgeld Pflicht? Müssen Arbeitgeber die Sonderzahlung tätigen? Wann wird ein anteiliges Weihnachtsgeld gezahlt? Wie viel ist bei der Sonderzahlung üblich? Alles was Sie rund um das Thema “Weihnachtsgeld” wissen sollten, lesen Sie im folgenden Ratgeber.

Was ist eine Weihnachtsgratifikation?

Beim Weihnachtsgeld handelt es sich um ein zusätzliches Entgelt des Arbeitgebers an seinen Arbeitnehmer. Die Höhe der Sonderzahlung, der Zahlungszeitpunkt sowie ob überhaupt Weihnachtsgeld gezahlt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig.

Ursprünglich sollte das Weihnachtsgeld dazu dienen, Geschenke zu kaufen und zu einem guten Gelingen des Weihnachtsfestes beitragen. In Deutschland erhalten etwas mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer ein Weihnachtsgeld. Die Höhe unterscheidet sich vor allem je nach Geschlecht, Region und Tarifbindung.

In den alten Bundesländern erhalten rund 58 Prozent der Beschäftigten die jährliche Sonderzahlung. In den neuen Bundesländern sind es allerdings nur ca. 39 %. Ein weiterer Unterschied ergibt sich beim Geschlecht der Arbeitnehmer: 57 % der Männer, aber nur 51 % der Frauen erhalten ein Weihnachtsgeld.

Beschäftigte mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten in 56 Prozent der Fälle Weihnachtsgeld. Arbeitnehmer mit einem befristeten Arbeitsvertrag können allerdings nur zu 45 Prozent mit einer Sonderzahlung rechnen.

Übrigens: Die Sonderzahlungen von Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld werden oftmals auch als 13. und 14. Gehalt bezeichnet, sofern diese der Höhe eines Bruttomonatslohns entsprechen.

Ab wann bekommt man Weihnachtsgeld?

Wann zahlen Unternehmen Weihnachtsgeld? Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung.

Wann zahlen Unternehmen Weihnachtsgeld? Dabei handelt es sich um eine freiwillige Leistung.

Beim Weihnachtsgeld wird die Auszahlung meistens auf Ende November datiert.

Arbeitnehmer, die die jährliche Sonderzahlung erhalten, bekommen diese dann zusammen mit dem Monatslohn von November ausgezahlt, sodass es beispielsweise für Weihnachtseinkäufe genutzt werden kann.

Der Arbeitgeber ist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, ein Weihnachtsgeld zu zahlen. Allerdings kann der Anspruch auf Weihnachtsgeld auf Folgendem beruhen:

  • Tarifvertrag
  • Betriebsvereinbarung
  • Arbeitsvertrag
  • wiederholte freiwillige Leistung des Arbeitgebers

Zahlt der Arbeitgeber über einen mindestens drei Jahre andauernden Zeitraum regelmäßig ein Weihnachtsgeld ohne den Vorbehalt der Freiwilligkeit aus, ist für den Arbeitnehmer ein Rechtsanspruch entstanden. Dieser ist als ungeschriebener Bestandteil des Arbeitsvertrags anzusehen.

Interessant: Da sich der Anspruch auf Weihnachtsgeld aus einem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz ergibt, erhalten alle Arbeitnehmer diese Sonderzahlung. Ohne triftige sachliche Gründe darf ein anderer Arbeitnehmer im Unternehmen nicht von der Weihnachtsgeldzahlung ausgenommen werden.

Wie viel Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommt man?

Die Höhe beim Weihnachtsgeld regelt kein Gesetz. Meistens ist sie von der Branche, dem Unternehmen, der Dauer der Betriebszugehörigkeit sowie von betrieblichen Gepflogenheiten abhängig.

Unternehmen können ihren Arbeitnehmern unterschiedlich hohe Weihnachtsgelder zahlen, sofern dafür sachliche Gründe vorliegen. Allerdings gilt hier, dass eine höhere Qualifikation eines Beschäftigten laut eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts vom 12.10.2005 nicht allein ausreicht [Az. AZR 640/04].

Als Beispiel können die Dauer der Betriebszugehörigkeit sowie eigene Kinder oder lange Fehlzeiten angeführt werden. Ein gänzlicher Ausschluss der Weihnachtsgeldzahlung bei Mitarbeitern kann beispielsweise bei Arbeitnehmern im Erziehungsurlaub erfolgen.

Auf das Weihnachtsgeld müssen Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden. Bei der Sonderzahlung kann es sich entweder um einen Pauschalbetrag handeln oder die Höhe des Weihnachtsgeldes ist abhängig vom prozentualen Monatslohn.

Wann darf Weihnachtsgeld anteilig oder gar nicht gezahlt werden?

Besonders in Sanierungstarifverträgen kommt es vor, dass der tariflich begründete Anspruch auf Weihnachtsgeld ausgeschlossen oder gekürzt wird. Allerdings kann ein arbeitsvertraglich begründeter Weihnachtsgeldanspruch allgemein weder durch einen Tarifvertrag noch durch eine Betriebsvereinbarung aufgehoben oder reduziert werden.

Es spricht übrigens gegen den arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz sowie gegen § 4 Abs. 1 Satz 2 des Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG), dass Beschäftigte in Teilzeit von der Zahlung des Weihnachtsgeldes ausgeschlossen werden.

Wann gibt es Weihnachtsgeld? Meistens wird die Leistung mit dem Lohn für den Monat November ausgezahlt.

Wann gibt es Weihnachtsgeld? Meistens wird die Leistung mit dem Lohn für den Monat November ausgezahlt.

Zulässig ist es allerdings, bestimmte Arbeitnehmer von der Zahlung vom Weihnachtsgeld auszuschließen, sofern ein sachlicher Grund dafür vorliegt. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Arbeitnehmer mit einem höheren Gehalt oder Beschäftigte mit einer variablen und leistungsabhängigen Vergütung von der Weihnachtsgeldzahlung ausgeschlossen werden.

Dementsprechend ist es auch rechtens, den Anspruch vom Weihnachtsgeld von der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig zu machen. Aber haben Arbeitnehmer auch einen anteiligen Anspruch auf Weihnachtsgeld, wenn sie vor Ende November aus dem Unternehmen ausscheiden?

In diesem Fall muss zwischen drei Arten der Sonderzahlung unterschieden werden. Zum einen gibt es die Sonderzahlungen mit reinem Entgeltcharakter wie beispielsweise ein 13. Monatsgehalt. Wird dieses in 13 gleichgroßen Teilen ausgezahlt, dient es allein der erbrachten Arbeitsleistung.

Wird allerdings im Arbeits- oder Tarifvertrag ein “Weihnachtsgeld” vereinbart, dient dieses vor allem der Belohnung der Betriebstreue. Zudem will der Arbeitnehmer damit dem zusätzlichen finanziellen Bedarf in der Weihnachtszeit Rechnung tragen. Meistens verfolgt ein Weihnachtsgeld allerdings beide Zwecke. In diesem Fall existiert eine Sonderzahlung mit Mischcharakter.

Scheidet ein Arbeitnehmer vor der Zahlung des jährlichen Weihnachtsgeldes aus, hat er allgemein nur einen Anspruch auf ein anteiliges Weihnachtsgeld, wenn dieses einen reinen Entgeltcharakter hat. Nur in diesen eher seltenen Fall kann der Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld anteilig je nach Monat des Ausschieds beanspruchen.

Handelt es sich beim Weihnachtsgeld allerdings um eine Belohnung des Arbeitnehmers oder es hat einen Mischcharakter, kann der Beschäftigte keinen anteiligen Anspruch auf die Sonderzahlung geltend machen.

Aber bekommen Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld auch anteilig bei Eintritt in die Firma? Wird das Weihnachtsgeld Ende November in Höhe eines vollen Monatsgehalts gezahlt und steht unter der Bedingung, dass das Arbeitsverhältnis am 31. Dezember ungekündigt ist, kann das Weihnachtsgeld anteilig ausgezahlt werden.

Dies steht allerdings meistens unter der Voraussetzung, dass es im Verlauf des Jahres zu keiner unbezahlten Arbeitsbefreiung kam. Denn in diesem Fall hat die Weihnachtsgratifikation einen Mischcharakter.

Kann der Arbeitgeber eine Rückzahlung vom Weihnachtsgeld fordern?

Der Arbeitgeber kann auch eine Rückzahlung der Weihnachtsgratifikation fordern.

Der Arbeitgeber kann auch eine Rückzahlung der Weihnachtsgratifikation fordern.

Besteht eine Stichtags- oder Rückzahlungsklausel, kann der Arbeitgeber eine Rückzahlung des Weihnachtsgeldes fordern.

Laut Stichtagsklausel besteht ein Anspruch auf Weihnachtsgeld als Sonderleistung nur, wenn das Beschäftigungsverhältnis bis zu einem bestimmten Zeitpunkt besteht und bis dahin auch ungekündigt ist.

Dies gilt nicht nur bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer, sondern auch bei einer betriebsbedingten Kündigung durch den Arbeitgeber. Ist im Vertrag ausdrücklich und überschaubar eine Rückzahlungsklausel formuliert, kann der Arbeitgeber ebenfalls eine Rückzahlung vom Weihnachtsgeld fordern.

Allerdings gilt es hierbei zu beachten, dass eine Rückforderung eines Weihnachtsgeldes von weniger als 100 Euro unwirksam ist. Bei einem Weihnachtsgeld in Höhe von bis zu einem Monatsgehalt, ist eine Bindung an das Unternehmen bis zum 31.03. des Folgejahres zulässig. Bei zwei Monatsgehältern oder mehr ist sogar eine betriebliche Bindung bis zum 30.06. des Folgejahres rechtlich unbedenklich.

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4 Gedanken zu „Weihnachtsgeld: Wann wird es gezahlt?

  1. Liahoo

    Hallo, ich blicke da leider nicht ganz durch. Ich habe im Jahr 2018 bis Ende Oktober in einem Unternehmen gearbeitet. Mein Vertrag wurde im Juli nur bis Ende Okt verlängert. Ich habe noch keine Jahressonderzahlung erhalten. Habe ich durch die Befristung/Kündigung keinen Anspruch? Im Jahr 2017 habe ich eine erhalten.

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Liahoo,

      in der Regel sind die Bedingungen für Sonderzahlungen im Arbeitsvertrag festgehalten.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  2. Edith E.

    Hallo Liahoo,
    wie hoch ist mein Stundenlohn? Im Arbeitsvertrag steht in den 9,50 sind 0,51 Urlaubsgeld und 0,49 Weihnachtsgeld inbegriffen?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Edith E.,

      bitte wenden Sie sich mit Ihrem Arbeitsvertrag an einen Anwalt für Arbeitsrecht. Dieser ist als solcher befugt, Einzelklauseln aus Arbeitsverträgen zu interpretieren.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten

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