Einen Aufhebungsvertrag in der Ausbildung nutzen: Das kann Vorteile haben

Von arbeitsvertrag.org, letzte Aktualisierung am: 20. November 2020

Ein Aufhebungsvertrag in der Ausbildung hilft dabei, Kündigungsfristen zu umgehen.
Ein Aufhebungsvertrag in der Ausbildung hilft dabei, Kündigungsfristen zu umgehen.

Verschiedene Signale können darauf hinweisen, dass eine Ausbildung vielleicht nicht die richtige ist. Ist der Azubi beispielsweise dauerhaft überfordert und quält sich jeden Morgen nur noch zum Betrieb, stimmt etwas nicht. Das gilt auch dann, wenn der Lehrling sich dauerhaft nur langweilt und das Gefühl hat, sich nicht mehr weiterzuentwickeln. Als Alternative zur Kündigung bietet sich da ein Aufhebungsvertrag für Auszubildende an.

Doch wie funktioniert ein Aufhebungsvertrag bei einem Azubi? Der vorliegende Ratgeber beschäftigt sich eingängig mit dieser Thematik. Hier erfahren Sie, welche Vor- und Nachteile es hat, eine bestehende Ausbildung mit einem Aufhebungsvertrag zu beenden und wie ein solches Schriftstück gestaltet wird. Darüber hinaus erhalten Sie einige wichtige Hinweise, die Sie vor arbeitsrechtlichen Problemen schützen können. Am Ende des Ratgebers finden Sie außerdem zum Aufhebungsvertrag in der Ausbildung ein Muster. Dieses können Sie sich als DOC- oder PDF-Datei herunterladen.

Kompaktwissen: Aufhebungsvertrag in der Ausbildung

Welche Vorteile bietet ein Aufhebungsvertrag?

Durch einen Aufhebungsvertrag kann die Kündigungsfrist umgangen werden, sodass auch ein früheres Ende des Ausbildungsverhältnisses möglich ist. Zudem besteht die Möglichkeit, dass der Auszubildende einen Anspruch auf Abfindung hat.

Kann ein Aufhebungsvertrag auch Nachteile mit sich bringen?

Ja, insbesondere für den Auszubildenden, denn in der Regel erhält er für einen bestimmten Zeitraum kein Arbeitslosengeld, wenn er einen Aufhebungsvertrag unterschreibt.

Wie kann ein Aufhebungsvertrag für Auszubildende aussehen?

Ein Aufhebungsvertrag muss vom Arbeitgeber individuell aufgesetzt werden. Unser Muster kann Ihnen dabei eine Orientierung bieten.

Die Vor- und Nachteile des Aufhebungsvertrags

Eine ordnungsgemäße Kündigung ist nur selten effektiv, wenn es darum geht, ein Arbeitsverhältnis zeitnah zu beenden. Oft bestehen dabei gesetzliche oder vertragliche Kündigungsfristen, die vom Arbeitgeber und vom Beschäftigten eingehalten werden müssen. Mit einem Aufhebungsvertrag kann ein Lehrling diese auch im Ausbildungsvertrag festgelegten Fristen umgehen und von weiteren Vorteilen profitieren:

  • Durch wegfallende Fristen ist der Beendigungszeitpunkt frei wählbar.
  • Es müssen weder Gründe für eine Kündigung angegeben noch der Betriebsrat im Vorhinein angehört werden.
  • In einigen Fällen besitzen Betroffene einen Anspruch auf Abfindung, die der Arbeitgeber tragen muss.

Trotz der klaren Vorteile kann nicht pauschal festgelegt werden, dass ein Aufhebungsvertag in der Ausbildung immer einer Kündigung vorzuziehen ist. Denn ersterer kann auch Nachteile verursachen. So ist damit zu rechnen, dass ein Aufhebungsvertrag in der Ausbildung Zahlungen von Arbeitslosengeld für einen gewissen Zeitraum sperrt.

Das liegt der Tatsache zu Grunde, dass Azubis, die einen solchen Vertrag unterschreiben, selbst dazu beitragen, das Ausbildungsverhältnis zu beenden. Deshalb sollten Betroffene sicherstellen, dass Sie in diesem Fall auch einige Wochen ohne Arbeitslosengeld auskommen. Noch besser ist es, wenn ein fließender Übergang in eine neue Ausbildungsstelle stattfinden kann.

Ein Aufhebungsvertrag ermöglicht einem Azubi, die Klauseln des Ausbildungsvertrags als nicht länger wirksam anzusehen.
Ein Aufhebungsvertrag ermöglicht einem Azubi, die Klauseln des Ausbildungsvertrags als nicht länger wirksam anzusehen.

Dann kann ohne Bedenken mit dem Auflösungsvertrag die alte Ausbildung beendet werden.

Darauf müssen Azubis achten

Geht es um einen Aufhebungsvertrag in der Ausbildung, bietet die Vorlage, welche Sie in diesem Ratgeber herunterladen können, eine gute Orientierung. Darüber hinaus gibt es jedoch einige Dinge, auf die Lehrlinge achten sollten, die so ihre Berufsausbildung beenden wollen.

Handelt es sich beim Auszubildenden um eine minderjährige Person, verlangt § 107 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), dass eine Genehmigung der gesetzlichen Vertreter vorliegt. Nur dann kann durch den Aufhebungsvertrag die Ausbildung zum vorzeitigen Ende geführt werden. In den solchen Fällen sind also die Unterschriften der Eltern und des Azubis vonnöten. Ein einzelner Elternteil reicht nicht aus, wenn beide sich das Sorgerecht teilen.

Darüber hinaus legt § 623 BGB auch fest, dass der Vertrag in Schriftform vorliegen muss:

Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform; die elektronische Form ist ausgeschlossen.

Der Arbeitgeber sollte darüber hinaus dafür sorgen, dass der Azubi gründlich zum Aufhebungsvertrag, der die Ausbildung beendet, aufgeklärt wird. Andernfalls kann es später zu einer Anfechtung kommen. Dabei sind vor allem die sozialrechtlichen Konsequenzen des Vertrags als auch die Entscheidungsfreiheit, die dem Lehrling obliegt, zu betonen. In keinem Fall darf der Auszubildende gezwungen werden, den Auflösungsvertrag zu unterschreiben.

Es sollte zudem allen Beteiligten klar sein, dass auch besondere Kündigungsschutzklauseln, wie sie mitunter im Mutterschutzgesetz, dem Zivildienstgesetz und dem Schwerbehindertengesetz zu finden sind, durch ein solches Schriftstück ausgehebelt werden. Vorgesetzte müssen auch diese Tatsache kommunizieren.

Bei Fragen in Bezug auf den Aufhebungsvertrag in der Ausbildung kann die IHK (Industrie- und Handelskammer) Betroffenen ebenfalls weiterhelfen. Diese bietet zudem Hilfestellungen bei der Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz an.

Das Muster zum Aufhebungsvertrag in der Ausbildung herunterladen

Ein Aufhebungsvertrag kann ein Ausbildungsverhältnis nur beenden, wenn der Azubi freiwillig zustimmt.
Ein Aufhebungsvertrag kann ein Ausbildungsverhältnis nur beenden, wenn der Azubi freiwillig zustimmt.

Im Folgenden finden Sie zum Aufhebungsvertrag ein Muster. Eine Ausbildung beenden können Sie damit jedoch nicht direkt. Hierfür sind individuelle Anpassungen an das jeweilige Ausbildungsverhältnis notwendig.

Unser Muster zum Aufhebungsvertrag in der Ausbildung vermittelt Ihnen jedoch eine Idee von dem Aufbau und den wichtigen Unterpunkten, die dieses Schriftstück enthalten sollte.

Achten Sie außerdem darauf: Der Aufhebungsvertrag, welcher die Ausbildung beendet, muss in dreifacher Ausführung erstellt und unterschrieben werden. Ein Exemplar geht an den Azubi, eines an den Betrieb und eines an die zuständige Innung der Handwerkskammer.

Hier erhalten Sie das Muster eines Aufhebungsvertrags in der Ausbildung.

 

Vergessen Sie in keinem Fall: Das hier präsentierte Dokument ist nicht verbindlicher Natur. Es soll nur den Aufbau des Vertrags beispielhaft darstellen. Besondere Ausbildungsverhältnisse können leicht für zusätzliche Paragraphen sorgen. Laden Sie hier unser Muster als Word- oder PDF-Dokument kostenlos herunter.

Aufhebungsvertrag in der Ausbildung (.doc)

Aufhebungsvertrag in der Ausbildung (.pdf)

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (92 Bewertungen, Durchschnitt: 3,74 von 5)
Einen Aufhebungsvertrag in der Ausbildung nutzen: Das kann Vorteile haben
Loading...

18 Gedanken zu „Einen Aufhebungsvertrag in der Ausbildung nutzen: Das kann Vorteile haben

    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Michael,

      Sie sollten das Muster unbedingt anpassen. Ohne entsprechende Änderungen kann er nicht auf Ihre Situation angewendet werden.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
    2. Tom

      Kann ich meine urlaubstage in anspruch nehmen wenn der Aufhebungsvertrag in zwei Wochen gilt? Oder muss man mir das Auszahlen?

      Antworten
      1. Arbeitsvertrag.org

        Hallo Tom,

        laut Gesetz muss der verbliebene Urlaub sogar möglichst vor dem Ende der Beschäftigung genommen werden, soweit dies möglich ist.

        Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

        Antworten
  1. Frank

    Hallo, Was ist wen ich als Auszubildener ein Aufhebungsvertrag machen möchte der Arbeitgeber diesen aber nicht unterchreiben möchte?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Frank,
      ein Aufhebungsvertrag kann nur in beidseitigem Einverständnis geschlossen werden.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  2. Lena

    Hallo, ein Mitschüler von mir musste am letzten Tag der Probezeit eine Vereinbarung mit seiner Chefin unterschreiben, dass er auf ihr Verlangen auch nach der Probezeit einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, wenn sie das will. Hätte er die Vereinbarung nicht unterschrieben, hätte sie ihn sofort an diesem Tag gekündigt. Ist das so rechtens? Geht das nicht schon in Richtung Nötigung zu sagen entweder du unterschreibst die Vereinbarung jetzt, oder ich kündige dir heute noch?

    Vielen Dank im Voraus. 🙂

    LG Lena

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Lena,

      wir empfehlen Ihnen, den Fall von einem Anwalt prüfen zu lassen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  3. Tina

    Kann ich einen Aufhebungsvertrag mit meinem jetzigen Betrieb zum 30.07.19 vereinbaren um am 01.08.19 meine Ausbildung in einem anderen Betrieb vortzuführen?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Tina,

      dies ist möglich, beachten Sie aber, dass ein Aufhebungsvertrag im beiderseitigen Einverständnis geschlossen werden muss. Stimmt Ihr Arbeitgeber nicht zu, müssen Sie fristgerecht kündigen.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  4. Valentina

    Hallo….mein Arbeitgeber hat mir mit Ende des Julis Aufhebungsvertrag unterschrieben, weil ich ab 9.9 andere Stelle gefunden habe.
    Jetzt ist meine Frage ob ich dann die 5 Wochen ohne Arbeitgeber sein kann?
    Und dann im September einfach weiter machen?

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Valentina,

      Sie müssen sich arbeitslos melden (allerdings erhalten Sie wegen des Aufhebungsvertrages kein Arbeitslosengeld). Außerdem müssen Sie sich in diesem Zeitraum selbst versichern.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten
  5. Lisa

    Hallo,
    Wenn ich mich mit meinem Betrieb auf eine Aufhebung einige, kann ich dann trotzdem in einem anderen Betrieb meine Ausbildung fortsetzen oder muss ich dann was komplett anderes machen?

    Antworten
  6. Malte

    Moin, Kann ich ein Aufhebungsvertrag beantragen wenn ich in meiner Firma nicht mehr arbeiten will da ich dort nicht rechtens behandelt werde und täglich “ärger” bekomme ?

    Antworten
  7. Tara

    Stimmt es, dass wenn ich in meiner Ausbildung kündige nie wieder in diesem Bereich eine Ausbildung machen kann?
    Sollte ich daher lieber nach einem Aufhebungsvertrag fragen?

    Antworten
  8. Helge

    Hallo,

    ichj habe eine dringende Frage bezüglich des Aufhebungsvertrages.
    Ich bin/war selbst Azubi und musste meine Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen (Depression/Stress) unterbrechen. Mein Betrieb hat mir den Aufhebungsvertrag vorgschlagen und verischert,dass ich nach meiner Genesung die Ausbildung im Betrieb wieder fortsetzen kann.
    Ein Jahr ist jetzt vergangen, ich war in Behandlung und habe ein ärztliches Attest, dass mir die Fortetzung der Ausbildung gewährt.
    Heute war ich im Betrieb, meine alte Ausbilderin arbeitet dort nicht mehr, und mir wurde soeben mitgeteilt, das ich die Ausbildung nicht mehr in dem Betrieb fortsetzen kann.

    Meine Frage ist ob es rechtlich gesehen vom Betrieb korrekt ist, mich nicht wieder aufzunehmen ?
    Habe jetzt Kontaktdaten zu einer Dame bekommen die bei der IHK arbeitet und sich mit der Branche in der ich tätig bin/war beschäftigt, leider konnte ich diese noch nicht erreichen.

    Danke für die aufmerksamkeit, würde mich über eine Antwort sehr freuen.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.