Für Nachtarbeit winkt ein Zuschlag als Ausgleich: Entweder als Zahlung oder als zusätzliche Freizeit.

Gesetzlicher Nachtzuschlag: Arbeitsrechtliche Regeln im Überblick

Für Nachtarbeit winkt ein Zuschlag als Ausgleich: Entweder als Zahlung oder als zusätzliche Freizeit.
Für Nachtarbeit winkt ein Zuschlag als Ausgleich: Entweder als Zahlung oder als zusätzliche Freizeit.

Es wird dunkel draußen, der Mond geht auf. Irgendwo schreit eine Eule. Wenn die meisten Menschen sich in ihren Betten verkriechen, beginnt für andere erst die Zeit des Brötchenverdienens. Für viele mag das unnatürlich erscheinen – ist es auch, denn die Nachtarbeiter leben gegen ihren Bio-Rhythmus und gegen die gesellschaftlichen Konventionen. Daher müssen Sie oft Freunde, Familie und Hobbys vernachlässigen. Nicht zuletzt kann auch die Gesundheit leiden.

Weil die Nachtarbeit besonders strapazierend ist, muss häufig ein Nachtzuschlag gezahlt werden – jedenfalls dann, wenn der Arbeits– oder Tarifvertrag das vorschreibt. Generell gibt es im Arbeitsrecht für den Nachtzuschlag keine Verpflichtung. Ein Ausgleich muss trotzdem angeboten werden, diese Art Schichtzulage kann jedoch auch ein Freizeitausgleich sein. Welche gesetzlichen Vorschriften hier gelten, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Kompaktwissen: Nachtzuschlag

Wozu dient der Nachtzuschlag?

Nachtarbeit bringt zusätzliche Belastungen mit sich, die sich auf die Gesundheit des Arbeitnehmers auswirken können. Mit dem Nachtzuschlag soll dies ausgeglichen werden. Anstelle einer Schichtzulage kann allerdings auch eine andere Form von Ausgleich erfolgen, z. B. ein Freizeitausgleich.

Ab wann besteht Anspruch auf einen Ausgleich von Nachtarbeit?

Ein solcher Anspruch besteht, wenn die Arbeitszeit zwischen 23 und 6 Uhr liegt. Allerdings muss der Arbeitnehmer regelmäßig mindestens zwei Stunden während dieses Zeitraums arbeiten, damit ihm Nachtzuschlag zusteht.

Wie hoch ist der Nachtzuschlag?

Wie sich die Höhe der Schichtzulage berechnen lässt, erfahren Sie hier.

Nachtzuschlag als Pflicht: Ab wann ist das der Fall?

Der Nachtzuschlag – auch Nachtschichtzuschlag, Nachtschichtzulage o. ä. genannt – ergibt sich aus § 6 Abs. 5 vom Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Hier heißt es:

Soweit keine tarifvertraglichen Ausgleichsregelungen bestehen, hat der Arbeitgeber dem Nachtarbeitnehmer für die während der Nachtzeit geleisteten Arbeitsstunden eine angemessene Zahl bezahlter freier Tage oder einen angemessenen Zuschlag auf das ihm hierfür zustehende Bruttoarbeitsentgelt zu gewähren.

Wie hoch die Zuschläge bei Nachtarbeit sind, kann sich u. a. aus dem Arbeits- oder Tarifvertrag ergeben.
Wie hoch die Zuschläge bei Nachtarbeit sind, kann sich u. a. aus dem Arbeits- oder Tarifvertrag ergeben.

Gemäß dem Arbeitszeitgesetz kann der Nachtzuschlag demnach anhand einer Zahlung oder mithilfe von zusätzlichen freien Tagen realisiert werden. Somit muss der Arbeitgeber den Nachtzuschlag nicht unbedingt zahlen, wenn er sich stattdessen entscheidet, einen Freizeitausgleich anzubieten. Diese Entscheidungsfreiheit hat er jedoch nur so lange, wie es keine anderweitige bindende Vereinbarung gibt – bspw. durch einen Tarifvertrag.

Hierbei gilt für den Nachtarbeitszuschlag (sowie in anderen Belangen des Arbeitsrechts): Die jeweils für den Mitarbeiter günstigere Vereinbarung ist diese, die umgesetzt werden muss. So kann der Vorgesetzte keine niedrigere Nachtzulage festsetzen als im Tarifvertrag vorgeschrieben ist – wohl aber eine höhere!

Wie hoch ist der finanzielle Nachtzuschlag? So berechnen Sie den Ausgleich!

Die Zuschläge für die Nachtarbeit orientieren sich an einem gesetzlichen Richtwert, können aber in Ausnahmefällen anders festgelegt werden. Entscheidet sich der Arbeitgeber für eine Ausgleichszahlung, ist dies auf 25 Prozent des Bruttolohns pro Stunde festzulegen. Als Berechnungsgrundlage wird hier Mindestlohn für den Nachtzuschlag sein (ist der Stundenlohn niedriger, kann dieser nicht als Ausgangspunkt für die Berechnung dienen).

Höher oder niedriger kann die Zahlung allerdings sein, wenn entweder, wie oben erwähnt, vertraglich ein anderer Prozentsatz festgelegt ist, oder wenn die Arbeitsbedingungen dies erforderlich machen:

  • Arbeitet der Betroffene in Dauernachtschicht, können die Zuschläge höher angelegt sein, da mit der dauerhaften Belastung auch ein höheres Gesundheitsrisiko einhergeht. Gesetzlich ist somit ein Anspruch von 30 Prozent gerechtfertigt, bspw. für einen Nachtzuschlag in der Gastronomie, wo häufig späte Schichten anfallen. Auch wenn die Nachtarbeit besonders anstrengend ist, kann dies eine Erhöhung der Nachtschichtzulagen veranlassen.
  • Ist jedoch in der jeweiligen Branche die Tagesarbeit anstrengender als nachts, kann der Anspruch auch niedriger ausfallen. So könnte es bspw. für den Nachtzuschlag in der Pflege festgelegt werden, wenn der Bereitschaftsdienst hier gewöhnlicherweise ruhig verläuft.
Wird der Nachtzuschlag besteuert? Bis zu einem gewissen Grundlohn bleibt er steuerfrei.
Wird der Nachtzuschlag besteuert? Bis zu einem gewissen Grundlohn bleibt er steuerfrei.

Sie fragen sich bei einem Blick auf Ihre Lohnabrechnung mit Nachtzuschlag, ob dieser steuerfrei ist? Wollen Sie die Zulage für Ihre Nachtarbeit nachvollziehen, müssen Sie über gewisse Regeln aus dem Einkommenssteuergesetz (§ 3b) Kenntnis besitzen. Hiernach ist ein 25-prozentiger Zuschlag bis zu einem Grundlohn von 50 Euro steuerfrei. Allerdings ist für besonders belastende Stunden (zwischen 0 und 4 Uhr) eine höhere Grenze angesetzt – bis zu 40 Prozent, wenn die Arbeit vor Mitternacht begann.

Ab wie viel Uhr gibt es Nachtzuschlag?

Wie Sie sicherlich ahnen, gibt es den Nachtzuschlag nur zu Zeiten, die gesetzlich als Nachtarbeitsstunden anerkannt sind. Diese können je nach Branche variieren:

Nachtzuschlag: Ab wieviel Uhr haben Sie Anspruch auf die Ausgleichszahlung?
Nachtzuschlag: Ab wieviel Uhr haben Sie Anspruch auf die Ausgleichszahlung?
  • Für die meisten Branchen gilt eine Nachtarbeitszeit von 23 bis 6 Uhr. So unterscheiden sich grundsätzlich bspw. die Nachtzuschläge für Lkw-Fahrer nicht von denen für einen Pförtner.
  • Eine Ausnahme gibt es jedoch beim Nachtzuschlag für Bäcker und Konditoren. Hier gilt die Arbeit zwischen 22 und 5 Uhr als Nachtarbeit.

Allerdings gilt nicht jeder, der ein oder zwei Stunden der Nachtzeit für seine Arbeit verwenden muss, als Nachtarbeiter und kann somit einen Anspruch auf einen Nachtdienstzuschlag erheben. Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein:

  1. Sie arbeiten regelmäßig nachts – mindestens 48 Tage im Jahr oder aber in Wechselschicht. So kann bspw. auch in der Gastronomie ein Nachtzuschlag berechnet werden, da Nachtschichten hier an der Tagesordnung sind.
  2. Ihre Arbeitszeit muss für mindestens zwei Stunden in die gesetzlich anerkannte Nachtzeit übergehen, um einen Anspruch auf Nachtzuschlag zu haben. Lkw-Fahrer etwa, die 16 Uhr beginnen und 00:30 Uhr das Fahrzeug abstellen, können mit keinem Nachtzuschlag rechnen. Hier sind nur anderthalb Nachstunden in Anspruch genommen worden, welche keine Zulage für die Nachtschicht rechtfertigt.

Diese Vorschriften gelten für alle Berufsbranchen – so unterscheidet das Arbeitszeitgesetz nicht zwischen dem Nachtzuschlag für Berufskraftfahrer und dem Nachtzuschlag im Baugewerbe. Ein Recht auf einen höheren Zuschlag für die Nachtschicht kann hierbei nur aus abweichenden vertraglichen Vereinbarungen entstehen.

Sonn- und Feiertags- und Nachtzuschläge – Wie passt das zusammen?

Grundsätzlich werden die Nachtschichtzuschläge unabhängig davon gezahlt, an welchem Tag die Nachtarbeit stattfindet. Arbeiten Sie demnach an einem Feiertag des Nachts, ist die Zulage genauso zu zahlen wie üblich.

Der Gesetzgeber sieht keinen finanziellen Ausgleich für die Arbeit an einem Sonn- oder Feiertag vor, ein entsprechender Anspruch kann hier jedoch abermals aus einer vertraglichen Vereinbarung entstehen. Sollte dies der Fall sein und zusätzlich die Arbeit zu später Stunde stattfinden, ist sowohl der Nachtzuschlag als auch der für den Feiertag zu zahlen.

Wer darf generell keine Nachtschicht arbeiten und einen Zuschlag erhalten?

Schwangere können keinen Nachtdienstzuschlag bekommen, da sie nach 22 Uhr nicht mehr tätig sein dürfen.
Schwangere können keinen Nachtdienstzuschlag bekommen, da sie nach 22 Uhr nicht mehr tätig sein dürfen.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) verbietet es Jugendlichen, nachts zu arbeiten (§ 14 JArbSchG). Hier heißt es:

Jugendliche dürfen nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden.

Allerdings werden im gleichen Paragrafen etliche Ausnahmen von dieser Regelung formuliert, u. a. für das Gaststätten– und Schaustellergewerbe, in der Landwirtschaft und in Bäckereien und Konditoreien.

Ebenso ist es nicht vorgesehen, dass Schwangere zwischen 20 und 6 Uhr arbeiten. Im Ausnahmefall kann die Arbeit bis 22 Uhr gewährt werden, allerdings profitiert die Betroffene nicht vom Nachtzuschlag, da dieser erst ab 23 Uhr ausgezahlt wird.J

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Gesetzlicher Nachtzuschlag: Arbeitsrechtliche Regeln im Überblick
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Ein Gedanke zu „Gesetzlicher Nachtzuschlag: Arbeitsrechtliche Regeln im Überblick

  1. Shahzeb I.

    Hallo Guten Tag,
    ich habe eine allgemein frage an Sie, Konnten Sie bitte mir elklaren uber den nachtzuschlag.Ich wurde gerne wissen, von wann bis wann Nachzuschlag 25 prozent geht? Was ist die Uhrzeit im 25 nachzuschlag gilt? Ausserdem bitte sagen Sie mir uber die Recht(ss) nummer.

    Vielen Dank

    Antworten

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