Kurzarbeit – Entlassungen von Arbeitnehmern vermeiden

Kurzarbeit: Beim Arbeitsamt kann seitens der Arbeitgeber die Zahlung von Kurzarbeitergeld beantragt werden, um keine Kündigungen aussprechen zu müssen.

Kurzarbeit: Beim Arbeitsamt kann seitens der Arbeitgeber die Zahlung von Kurzarbeitergeld beantragt werden, um keine Kündigungen aussprechen zu müssen.

Die Mitarbeiter des Volkswagen-Konzerns kennen sie sehr gut: die Kurzarbeit. Immer wieder wird temporär in einigen Werken Kurzarbeit für Arbeitnehmer angeordnet, da angesichts des Abgas-Skandals der Absatz stockt. Weniger zu produzierende Autos bedeuten aber auch: Es werden weniger Arbeiter benötigt. Wurden die in der Vergangenheit angesammelten Überstunden bereits abgebummelt und an der Wirtschaftslage hat sich immer noch nicht maßgeblich etwas getan, ist die Anmeldung von Kurzarbeit häufig unausweichlich.

Doch was müssen Arbeitnehmer durch die Ergreifung dieses arbeitsmarktpolitischen Instrumentes eigentlich befürchten? Darf ein Nebenjob bei Kurzarbeit ausgeführt werden, um die finanziellen Einbußen abzufedern? Dies und noch viel mehr klären wir im vorliegenden Ratgeber.

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Kurzarbeitergeld

Hier erfahren Sie, welcher Arbeitnehmer Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben und wie es beantragt wird.

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Kurzarbeit: Die Voraussetzungen dafür

Kurzarbeit kann nur unter bestimmten Bedingungen eingeführt werden. Hier erfahren Sie, welche das sind!

Was ist Kurzarbeit?

Bleiben die Aufträge aus oder sinkt die Nachfrage nach den hergestellten Produkten, muss der Gürtel enger geschnallt werden. Um Entlassungen zu vermeiden, greifen Betriebe und Unternehmen unter diesen Umständen häufig zu einer Regelung, die als Kurzarbeit bekannt ist. In diesem Zuge wird die Arbeitszeit aller oder auch nur einiger Arbeitnehmer für bis zu 24 Monate verringert, um die wirtschaftlichen Ausfälle so gering wie möglich zu halten.

Bei Kurzarbeit können Unternehmen beantragen, dass sie staatliche Unterstützung bekommen. Eine minimale Mitarbeiteranzahl gibt es hier nicht.

Bei Kurzarbeit können Unternehmen beantragen, dass sie staatliche Unterstützung bekommen. Eine minimale Mitarbeiteranzahl gibt es hier nicht.

Laut Arbeitsrecht darf Kurzarbeit vom Arbeitgeber nicht einfach nach Belieben angeordnet werden.

Existiert ein Betriebsrat, ist eine solche Entscheidung vorher mit ihm abzusprechen.

Hierzu muss eine schriftliche Betriebsvereinbarung abgeschlossen werden. Nur dann ist die Regelung auch wirksam.

Leiharbeitnehmer dürfen nicht unter die angeordnete Kurzarbeit durch den Arbeitgeber fallen – so besagt es das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (§ 11 Absatz 4 AÜG).

Was bedeutet Kurzarbeit? Ob Sie während der Kurzarbeit weiterhin Geld bekommen, hängt von den Formulierungen in Ihrem Arbeitsvertrag, einem gegebenenfalls geltenden Tarifvertrag und unter Umständen auch einer Betriebsvereinbarung ab. Wollen Sie während der Kurzarbeit einen Nebenjob antreten, sind einige Dinge zu berücksichtigen. Zum Beispiel ist eine Anmeldung der Tätigkeit unausweichlich, wodurch sich auch das Kurzarbeitergeld reduziert. Um welchen Betrag es sich hierbei handelt, muss bei Kurzarbeit einer individuellen Berechnung unterzogen werden.

Wie hoch ist bei Kurzarbeit die Arbeitszeit?

Personalkosten sind in der Gesamtrechnung eines Unternehmens häufig der größte Posten und das nicht erst, seitdem 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde. Fest steht: Im Rahmen von Kurzarbeit wird die Arbeitszeit von der ursprünglich vereinbarten regulären auf einen geringeren Umfang heruntergestuft. Dies geschieht aufgrund wirtschaftlicher bzw. nicht zu umschiffender Gründe.

Auf welche prozentuale Höhe sich diese dann beläuft, ist für gewöhnlich einer Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit, die vom Betriebsrat zusammen mit dem Arbeitgeber ausgehandelt wird, zu entnehmen. Diese enthält auch Informationen dazu, wie lange die Kurzarbeit insgesamt dauert.

Gut zu wissen: Was bedeutet Kurzarbeit für den Arbeitnehmer? Wenn diese Regelung eingeführt wird, ist das nicht zwingend gleichbedeutend damit, dass alle Mitarbeiter von nun an gleich viel weniger arbeiten. Es können durchaus unterschiedliche Abstriche bei der Arbeitszeit vereinbart werden.

Überstunden bei Kurzarbeit

Auch bei angeordneter Kurzarbeit kann Urlaub gemacht werden.

Auch bei angeordneter Kurzarbeit kann Urlaub gemacht werden.

Ein Antrag auf Kurzarbeit wird für gewöhnlich gestellt, wenn für die beschäftigte Belegschaft nicht ausreichend zu tun gibt. Bei Kurzarbeit sind Überstunden deshalb mit Vorsicht zu genießen, insbesondere weil dies Auswirkungen auf das Kurzarbeitergeld haben kann.

Aus diesem Grund gilt in der Regel: Kurzzeit und Überstunden passen nicht zueinander. Von Arbeitnehmern darf in dieser Phase deshalb nicht verlangt werden, Überstunden zu schieben. Außer Kraft gehoben wird diese Vorgabe, wenn es sich um Ausnahmesituationen handelt.

Bei widerrechtlich bereits abgeleisteten Überstunden haben Sie beispielsweise die Option, sich einen Nachweis über die erbrachte zusätzlich Arbeitsleistung ausstellen zu lassen, um diese später – nach Ablauf der Kurzarbeitsphase – einzulösen.

Wie hoch ist bei Kurzarbeit der Lohn?

Entscheidet sich ein Unternehmen dazu, Kurzarbeit einzuführen, wird nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch die Lohnzahlung verringert. So weit, so plausibel, handelt es sich doch um eine Maßnahme, die Entlassungen und Arbeitslosigkeit vermeiden soll.

Wie viel Geld bei Kurzarbeit gezahlt wird, ist abhängig davon, wie viel Prozent der vorher üblichen Arbeitszeit Sie noch ableisten und wie hoch das häufig zusätzlich gezahlte Kurzarbeitergeld ausfällt. Letzteres wird einem Unternehmen nach der Antragstellung von der Agentur für Arbeit erstattet.

Strauchelnde Arbeitgeber werden von der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland unterstützt, indem sie ebenjene Entgeltersatzleistung zahlt, um Verdienstausfälle zu kompensieren. Dieser Teil der Bezahlung bei Kurzarbeit beinhaltet eine Aufstockung des vom Arbeitgeber entrichteten Betrages und umfasst bis zu 67 Prozent der wegen Auftragsmangel eingeleiteten Kurzarbeit. Auf den kompletten Betrag in Euro wie vorher sollten Sie sich jedoch keine Hoffnung machen.

Kurzarbeit und Urlaub – Ist das erlaubt?

Bei der Abrechnung von Kurzarbeit ist sorgfältig vorzugehen.

Bei der Abrechnung von Kurzarbeit ist sorgfältig vorzugehen.

Viele Arbeitnehmer stellen sich die Frage: „Darf ich Urlaub bei Kurzarbeit machen?“ oder riskiere ich meinen Job endgültig, wenn ich mit diesem Wunsch an meinen Arbeitgeber herantrete?

Zugegebenermaßen handelt es sich womöglich nicht um den günstigsten Zeitpunkt. Jedoch dürfen Sie auch während der Kurzarbeit Urlaub nehmen.

Arbeitgebern kommt dies manchmal sogar ganz recht, da hierdurch von der Kurzarbeit womöglich abgesehen werden kann. Das Urlaubsentgelt wird hiervon jedoch nicht berührt.

[…] Verdienstkürzungen, die im Berechnungszeitraum [letzte 13 Wochen vor Urlaubsbeginn] infolge von Kurzarbeit, Arbeitsausfällen oder unverschuldeter Arbeitsversäumnis eintreten, bleiben für die Berechnung des Urlaubsentgelts außer Betracht. (§ 11 Absatz 1 Bundesurlaubsgesetz (BurlG))

Wird wegen weniger Arbeit Kurzarbeit in Betrieben eingeführt, kann das jedoch Auswirkungen auf die Anzahl der Urlaubstage haben. Einen Anspruch auf den vollen Umfang des Jahresurlaubs können Sie mitunter nicht mehr geltend machen, wie ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) deutlich machte.

Wie wird bei Kurzarbeit mit Krankheit umgegangen?

Auch in einer Phase mit reduzierter Arbeitszeit ist es denkbar, dass ein Arbeitnehmer erkrankt, sich beispielsweise ein Bein bricht oder mit Grippe das Bett hüten muss und damit arbeitsunfähig ist. Müssen hier Lohneinbußen hingenommen werden oder erhalten Sie, wie im Normalfall auch, eine sechswöchige Lohnfortzahlung seitens des Arbeitgebers?

In der Regel können Sie auch während der Kurzarbeit auf die Entgeltfortzahlung für eineinhalb Monate pochen. Auch der Anspruch auf Kurzarbeitergeld wird hiervon häufig nicht berührt. Sollte Ihre Erkrankung länger als sechs Wochen dauern, können Sie immer noch Krankengeld verlangen. Um hiervon zu profitieren, sollten Sie sich zeitnah bei Ihrem Arbeitgeber krank melden und ihn auch darüber informieren, wie lange Sie voraussichtlich ausfallen werden. Ebenso ist die erforderliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, auch als gelber Zettel bekannt, rechtzeitig einzureichen.
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