Arbeitsunfall in der Mittagspause: Sind Sie unfallversichert?

Ein Arbeitsunfall in der Mittagspause liegt z. B. vor, wenn dieser auf dem Weg zur Kantine, ins Restaurant oder den Supermarkt geschieht.

Ein Arbeitsunfall in der Mittagspause liegt z. B. vor, wenn dieser auf dem Weg zur Kantine, ins Restaurant oder den Supermarkt geschieht.

Neben einer Berufskrankheit ist der Arbeitsunfall der zweite Versicherungsfall der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein Arbeitsunfall ist klar von einem rein privaten Freizeit-, Sport- oder Verkehrsunfall abzugrenzen. Das Sozialversicherungssystem regelt in Deutschland die soziale Absicherung im Falle eines Arbeitsunfalls.

Wichtig ist, dass eine versicherte Tätigkeit vorliegt. Zwischen der versicherten Tätigkeit und dem Unfall muss ein innerer Zusammenhang bestehen. Wichtig ist zudem eine haftungsbegründende Kausalität. Dies bedeutet im Klartext, dass die versicherte Tätigkeit für den Unfall ursächlich gewesen sein muss.

Aber handelt es sich bei einem Arbeitsunfall in der Mittagspause auch um einen Fall für die gesetzliche Unfallversicherung? Wann ist ein Wegeunfall in der Mittagspause versichert und wann nicht? Mehr erfahren Sie im folgenden Ratgeber.

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Wann ist ein Unfall in der Mittagspause versichert?

Die Mittagspause bietet für viele Arbeitnehmer einen Ausgleich zur Arbeit. Es ist ein Austausch mit den Kollegen möglich, eine Stärkung kann eingenommen werden und die Gedanken beschäftigen sich einmal nicht ausschließlich mit der Tätigkeit.

Aber nicht jedes Unternehmen besitzt eine Kantine, sodass sich Arbeitnehmer während der Mittagspause etwas zu essen organisieren müssen. Gehen Sie dazu in einem Supermarkt oder beim Bäcker etwas einkaufen und erleiden auf dem Weg dorthin einen Arbeitsunfall in Ihrer Mittagspause, ist dieser versichert.

Dies gilt allerdings nur, sofern die Tätigkeit im Zusammenhang mit der Arbeit steht. Kaufen Sie im Supermarkt beispielsweise überwiegend für sich privat ein, handelt es sich dabei nicht mehr um einen versicherten Arbeitsunfall in der Mittagspause.

Erleiden Sie einen Unfall auf dem Weg in die Kantine, ist auch dieser versichert. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich der Versicherungsschutz auf den öffentlichen Verkehrsraum beschränkt. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Versicherer auf die sogenannte Wegezeit achten. Der Zeitaufwand und die Entfernung müssen in einem angemessenen Verhältnis zur Pausendauer stehen.

In welchem Fall greift der Versicherungsschutz bei einem Unfall während der Mittagspause?

Wann gilt ein Unfall in der Mittagspause als Arbeitsunfall?

Wann gilt ein Unfall in der Mittagspause als Arbeitsunfall?

Erleiden Sie in der Mittagspause einen Arbeitsunfall, ist dieser allerdings nicht per se versichert. Sobald der Arbeitsunfall in der Mittagspause während eines privaten Vergnügens passiert, sind Sie nicht gesetzlich unfallversichert.

In einem Fall stürzte eine Sekretärin in ihrer Mittagspause und meldete den Unfall bei der Berufsgenossenschaft. Eine Entschädigung lehnte diese allerdings ab, da die Sekretärin auf dem Weg zur Reinigung war, um private Kleidungsstücke abzuholen.
Sie ging vor das Landessozialgericht (LSG) Hessen und berief sich darauf, dass sie nebenan in einem Restaurant essen wollte. Das Gericht urteilte am 25. März 2015 [Az. L 3 U 225/10], dass der private Gang zur Reinigung im Vordergrund stand und sie daher nicht versichert war. Dies muss vor Gericht nachgewiesen werden.

Passiert ein Arbeitsunfall in der Kantine bzw. beim Mittagessen, handelt es sich dabei ebenfalls nicht um einen versicherten Unfall. Ein Arbeitsunfall in der Mittagspause beim Essen ist nicht versichert, da es sich dabei um eine Privatangelegenheit handelt. Verschlucken Sie sich also und erleiden einen Unfall, sind Sie nicht unfallversichert.

Anderes gilt beispielsweise, wenn die Nahrungsaufnahme der spezifischen Stärkung der Arbeitsleistung dient. Dies ist besonders bei körperlich anstrengenden Arbeiten der Fall. Dementsprechend wäre ein Bauarbeiter oder Dachdecker sogar beim Öffnen einer Getränkeflasche und beim Trinken selbst versichert.

Übrigens: Passiert ein Arbeitsunfall in der Mittagspause während des Rauchens, sind Arbeitnehmer ebenfalls nicht unfallversichert. Beim Rauchen handelt es sich nämlich um eine persönliche Angelegenheit ohne einen Bezug zur Arbeit. Zudem dient das Rauchen nicht der Erhaltung oder Stärkung der Arbeitskraft.
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2 Gedanken zu „Arbeitsunfall in der Mittagspause: Sind Sie unfallversichert?

  1. Andi

    Hallo Zusammen,

    ich habe da auch noch eine Frage dazu:

    Wie ist das dann, wenn ich ca. 10 min von meiner Arbeitsstelle wohne und zum Mittagessen nach Hause fahre?

    Danke schon mal!

    MfG Andi

    Antworten
    1. Arbeitsvertrag.org

      Hallo Andi,

      Wege zur Nahrungsaufnahme (zur Kantine, nach Hause etc) sind versichert, die Nahrungsaufnahme selbst (in der Kantine oder Zuhause) aber in der Regel nicht. Die Rechtssprechung fällt hier im Einzelfall sehr unterschiedlich aus. Allgemein gelten alle privaten oder eigenwirtschaftlichen Tätigkeiten während der Mittagspause als nicht unfallversichert.

      Ihr Team von Arbeitsvertrag.org

      Antworten

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