Midijob – Was müssen Arbeitnehmer hier beachten?

Midijob: Mit welchen Kosten müssen Arbeitgeber rechnen?

Midijob: Mit welchen Kosten müssen Arbeitgeber rechnen?

Bei der hohen Anzahl an verschiedenen Formen von Arbeitsverhältnissen in Deutschland kann ein Arbeitnehmer schnell den Überblick verlieren, welche Regelungen für welche Art von Job gelten.

Minijob oder Midijob? Wann gilt ein Job als Minijob und ab wann spricht das Arbeitsrecht von einem Midijob? Welche arbeitsrechtlichen Besonderheiten gibt es bei einem Midijob?

Müssen bei einem Midijob Sozialabgaben oder Steuerabgaben geleistet werden? Kann ich während des Studiums oder bei Bezug von Arbeitslosengeld einen Midijob ausüben? Welchen Einfluss hat die Vergütung beim Midijob eventuell auf andere Einkünfte?

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Midijob Definition: Was ist das eigentlich?

Wodurch zeichnet sich ein Midijob aus und inwiefern unterscheidet er sich von einem Minijob? Als Midijob wird ein Arbeitsverhältnis bezeichnet, bei dem der Arbeitgeber mehr als 450 Euro und weniger als 850 Euro monatlich verdient. Oft wird der Midijob auch als Gleitzone bezeichnet.

Midijob: Unterschied zum Minijob und Vorteile

Arbeitsvertrag: Auch bei einem Midijob werden Regelungen vertraglich festgelegt.

Arbeitsvertrag: Auch bei einem Midijob werden Regelungen vertraglich festgelegt.

In der Bezahlung liegt auch der wesentliche Unterschied zum Minijob, bei dem ein Arbeitnehmer weniger als oder genau 450 Euro verdient. Ein weiterer Unterschied ist, dass ein Minijob außerdem versicherungsfrei ist, wohingegen ein Arbeitnehmer in einem Midijob Abgaben leisten muss und versichert ist. Das Vorhandensein einer Sozialversicherung ist demnach einer der Vorteile des Midijobs.

Die zu leistenden Beiträge sind allerdings nicht genauso hoch wie die für Normalverdiener. Somit bietet der Midijob also auch Vorteile für Arbeitnehmer. Befindet sich der Arbeitnehmer in dieser sogenannten Gleitzone, muss dieser nämlich nicht den gesetzlichen Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung leisten, der bei 20 bis 21 Prozent des Bruttoentgelts liegt. Der zu zahlende Anteil richtet sich bei einem Midijob nämlich nach dem Gleitzonenentgelt.

Vor der Einführung der sogenannten Gleitzone mussten Arbeitnehmer, die zwar keine Minijobber waren, aber dennoch als Geringverdiener galten, den vollen Sozialversicherungsanteil zahlen. In vielen Fällen hat es sich für Arbeitnehmer daher gelohnt, einen Minijob auszuüben, bei dem sie zwar weniger verdienten, aber dafür keine Beträge zahlen mussten. Dadurch stand ihnen im Schnitt am Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung als bei einem etwas besseren Gehalt mit Abzügen für die Sozialversicherung.

Für Selbstständige hat die Ausübung eines Midijob also auch den Vorteil, dass sie sich auf diese Art günstig sozialversicherungstechnisch absichern können.

Midijob: Nachteile für Arbeitnehmer

Ein wesentlicher Nachteil ist beim Midijob, dass hier hinsichtlich des Gehalts brutto nicht gleich netto entspricht wie beispielsweise beim Minijob. Bei einem Midijob müssen die Einkünfte schließlich versteuert werden. Wird anderes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis als Hauptberuf ausgeübt und der Midijob dient somit nur als Nebenjob, können Arbeitnehmer in der Regel nicht von den vergünstigten Sozialbeiträgen des Midijobs profitieren.

Übrigens: Ein Nachteil besteht beim Midijob für den Arbeitgeber darin, dass die Verwaltung eines Midijobs aufgrund der zahlreichen Sonderregelungen mit einem höheren Aufwand verbunden ist als bei anderen Arbeitsverhältnissen.

Welche arbeitsrechtlichen Regelungen gibt es bei einem Midijob?

Grundsätzlich regelt auch beim Midijob der Arbeitsvertrag , welche gesetzlichen Vorschriften während des Arbeitsverhältnisses einzuhalten sind und welche betriebsbezogenen Sonderregelungen es gibt.

Midijob: Wie viele Stunden muss ich arbeiten?

Midijob: Wie viele Stunden darf ein Arbeitnehmer hierbei pro Woche oder pro Monat arbeiten?

Midijob: Wie viele Stunden darf ein Arbeitnehmer hierbei pro Woche oder pro Monat arbeiten?

Generell gilt: Auch bei einem Midijob darf die Stundenanzahl nicht mehr als acht Stunden täglich betragen. Da ein Midijobber höchstens 850 Euro im Monat verdienen kann, wirkt sich dies auch auf die Anzahl der Arbeitsstunden aus. Der gesetzliche Mindestlohn entspricht 8,84 pro Stunde.

Würde ein Midijobber also an fünf Tagen in der Woche jeweils acht Stunden arbeiten, würde dies einen Monatsverdienst von 850 Euro überschreiten. Folglich würde es sich nicht mehr um einen Midijob handeln. Ein Midijobber darf also höchstens 24 Stunden wöchentlich oder 96 Stunden monatlich arbeiten.

Wie viele Urlaubstage sind beim Midijob möglich?

Auch Midijobber haben Anspruch auf Urlaub. Die genaue Anzahl der Urlaubstage sollte im Arbeitsvertrag festgehalten sein. Ein gesetzlicher Mindestanspruch bei der Anzahl der Urlaubstage besteht aber dennoch. Dieser richtet sich nach der Anzahl der Tage, die Sie pro Woche arbeiten:

  • 6-Tage-Woche: mindestens 24 Urlaubstage
  • 5-Tage-Woche: mindestens 20 Urlaubstage
  • 4-Tage-Woche: mindestens 16 Urlaubstage

Kündigung eines Minijobs: Gibt es bei der Kündigung im Midijob Besonderheiten, die beachtet werden müssen? Nein, ein Midijob kann genauso gekündigt werden wie jedes andere Arbeitsverhältnis auch. Vertragliche oder gesetzliche Kündigungsfristen sind auch hier einzuhalten.

Muss ich bei einem Midijob Steuern zahlen?

Die Besteuerung des Midijobs läuft wie bei allen anderen Arbeitsverhältnissen über die Lohnsteuerkarte. Ob Sie bei einem Midijob die Lohnsteuer zahlen müssen, hängt davon ab, in welcher Steuerklasse Sie sich befinden. Dabei gilt:

  • Mit Lohnsteuerklasse 1 bis 4 ist der Midijob steuerfrei.
  • Bei Steuerklasse 5 und 6 muss für den Midijob Lohnsteuer gezahlt werden.
Aber: Handelt es sich bei dem Midijob allerdings um einen Zweitjob und Sie sind in einem anderen Arbeitsverhältnis sozialversicherungspflichtig beschäftigt, müssen Sie Ihr Gehalt nach Lohnsteuerklasse 6 versteuern.

Midijob und Sozialversicherung: Bin ich versichert und wie hoch sind die Beiträge?

Habe ich bei einem Midijob Anspruch auf eine Versicherung?

Habe ich bei einem Midijob Anspruch auf eine Versicherung?

Ein Midijobber muss grundsätzlich nicht die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Der Arbeitnehmer ist aber trotzdem vollständig kranken-, pflege-, renten- und arbeitslosenversichert.

Die Beitragshöhe richtet sich in der Regel nach dem Gleitzonenentgelt. Der Arbeitgeber muss hingegen den vollen Anteil zu den Sozialversicherungsbeiträgen leisten. Dieser Wert ist also stets konstant.

Midijob und Krankenversicherung

Als Arbeitnehmer in einem Midijob gelten Sie als vollwertiges Mitglied der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung und erhalten somit den vollen Versicherungsschutz. Wie alle Angestellten sind Sie außerdem über eine gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.

Midijob und Familienversicherung: Sind Arbeitnehmer über eine Familienversicherung krankenversichert, müssen sich diese bei Aufnahme eines Midijobs bei einer Krankenkasse selbst versichern.

Erhalte ich bei einem Midijob Krankengeld?

Werden Sie im Midijob krank, haben auch hier sechs Wochen lang ein Recht auf Lohnfortzahlung. Fallen Sie länger als sechs Wochen aus, erhalten Sie auch hier Krankengeld, da Sie sich in einem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis befinden und somit gesetzlich krankenversichert sind. Wie viel Krankengeld Sie erhalten, ist von der Höhe des Einkommens abhängig.

Midijob und Rentenversicherung

Midijob und Rente: Können Rentner zusätzlich einen Midijob ausüben?

Midijob und Rente: Können Rentner zusätzlich einen Midijob ausüben?

Die Beiträge, die in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden, gelten auch bei einem Midijob als vollwertige Pflichtbeiträge.

Sie haben bei einem Midijob also Anspruch auf alle Leistungen der Rentenversicherung sowie beispielsweise auch auf Erwerbsminderungsrente.

Ist es möglich, zusätzlich zur Rente einen Midijob auszuüben? Die Beiträge zur Rentenversicherung gelten zwar als vollwertige Pflichtbeiträge, bei den Rentenansprüchen kann es jedoch zu einer Minderung kommen.

Der Midijob in Kombination mit anderen Arbeitsverhältnissen

Wollen Sie zusätzlich zum Midijob noch ein anderes Arbeitsverhältnis eingehen, dabei aber weiterhin von geringfügigeren Steuer- oder Sozialversicherungsabgaben profitieren, sollten Sie darauf achten, welche Jobs Sie parallel zu dem Midijob ausüben. Sie können einen Midijob mit anderen Arten von Arbeitsverhältnissen unter der Voraussetzung kombinieren, dass der Arbeitgeber sich nicht derselbe ist.

  • Midijob und Minijob: Sie können einen Midijob gut mit einem Minijob kombinieren. Durch einen zusätzlichen Minijob können Sie im Jahr 4.800 Euro mehr verdienen, ohne dabei Steuer- oder Sozialabgaben zu leisten. Die Pauschale für Abgaben wird in der Regel vom Arbeitgeber gezahlt.
  • Midijob und kurzfristige Beschäftigung: Eine kurzfristige Beschäftigung zeichnet sich dadurch aus, dass die Tätigkeit hierbei nicht länger als drei Monate am Stück oder insgesamt nicht mehr als 70 Tage im Jahr ausgeübt wird. Ein Einkommen wird hierbei also nicht regelmäßig erzielt. Sie ebenfalls kann gut mit einem Midijob kombiniert werden.

Kann ich einen Midijob während des Studiums ausüben?

Studenten, die einen Job während des Studiums, beispielsweise in den Semesterferien einen Midijob ausüben wollen, fragen sich dann, welchen Einfluss ihr Einkommen dann auf andere Einkünfte hat. Werden Bafög oder Kindergeld bei einem Midijob gestrichen?

  • Midijob und Kindergeld: Kindergeld erhält der Berechtigte unabhängig von der Höhe des Einkommens. Bezüglich der Stundenanzahl gilt jedoch, dass Sie weniger als 20 Stunden wöchentlich arbeiten dürfen, um einen Anspruch auf Kindergeld zu haben.
  • Midijob und Bafög: Es gibt beim Bafög eine Obergrenze hinsichtlich des Einkommens. Das heißt, ab einer bestimmten Einkommenshöhe im Midijob, sind Abzüge beim Bafög die Regel. Im Moment gilt: Verdienen Sie mehr als 450 Euro im Monat, wie es also in der Regel bei einem Midijob der Fall ist, wirkt sich dies auf die Höhe des Förderungsbetrags aus. Sie haben also bei einem Midijob keinen Anspruch auf den vollen Betrag.

Erhalte ich beim Midijob Arbeitslosengeld 1 und 2?

Kann ich bei Bezug von Hartz 4 zusätzlich einen Midijob ausüben?

Kann ich bei Bezug von Hartz 4 zusätzlich einen Midijob ausüben?

Erhält eine Person Arbeitslosengeld und will zusätzlich einen Job ausüben, stellt diese sich oft die Frage, wie viel Einkommen erzielt werden kann, um beim Arbeitslosengeld nicht mit Abzügen rechnen zu müssen. Kann ich in einem Midijob arbeiten und Arbeitslosengeld 1 oder 2 erhalten?

  • Midijob und Arbeitslosengeld 1: Da Sie in einem Midijob Sozialabgaben leisten, haben Sie auch infolgedessen Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. Dies gilt allerdings nur, solange Sie mindestens ein Jahr in einem Job beschäftigt gewesen sind.
  • Midijob und Hartz4: Grundsätzlich können Sie einen Midijob ausüben und gleichzeitig Hartz 4 beziehen. Allerdings müssen Sie in diesem Fall damit rechnen, dass Ihnen die Einkünfte aus dem Midijob auf den Hartz-4-Regelsatz angerechnet werden, Sie also keinen Anspruch auf den vollen Regelsatz mehr haben.
Ist ein Hartz-4-Empfänger erwerbstätig, wird von seinem Einkommen pauschal ein Freibetrag von 100 Euro abgezogen. Je nach Einkommenshöhe werden prozentual weitere Freibeträge abgezogen. Bei einem Bruttoeinkommen zwischen 100 Euro und 1.000 Euro (in welchen Bereich also der Midijob fällt), erfolgt demzufolge ein Abzug von 20 Prozent.
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