Was ist ein Arbeitnehmer?

Der große Arbeitnehmer-Ratgeber: Rechte, Pflichten und Kündigungsschutz

Artikel verfasst von Dr. Philipp Hammerich

Letzte Aktualisierung am: 29. Januar 2026

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Was ist ein Arbeitnehmer?
Was ist ein Arbeitnehmer?

Ein Arbeitnehmer ist eine Person, die auf Grundlage eines Arbeitsvertrags für einen Arbeitgeber tätig ist und dabei in persönlicher Abhängigkeit arbeitet. Kennzeichnend ist, dass der Arbeitnehmer weisungsgebunden ist, also Vorgaben zu Arbeitszeit, Arbeitsort und Art der Tätigkeit befolgen muss, und in die betriebliche Organisation des Arbeitgebers eingegliedert ist. Im Gegenzug erhält er eine Vergütung und genießt den Schutz des Arbeitsrechts, etwa durch Kündigungsschutz, Urlaubsanspruch und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Kompaktwissen: Arbeitnehmer

Bin ich Arbeitnehmer oder Arbeitgeber?

Ob jemand rechtlich als Arbeitnehmer oder Arbeitgeber gilt, hängt nicht vom Jobtitel, sondern von der tatsächlichen Ausgestaltung der Tätigkeit ab. Arbeitnehmer ist, wer weisungsgebunden arbeitet, feste Arbeitszeiten hat und in die Arbeitsorganisation eines anderen eingegliedert ist, während Arbeitgeber die Verantwortung für Beschäftigung, Vergütung und Organisation tragen.

Wie kündige ich als Arbeitnehmer richtig?

Eine Kündigung durch den Arbeitnehmer sollte immer schriftlich erfolgen und die geltende Kündigungsfrist beachten. Wichtig ist ein klar formuliertes Kündigungsschreiben, das fristgerecht beim Arbeitgeber eingeht, um rechtliche Unsicherheiten oder unnötige Konflikte zu vermeiden. Hier können Sie mehr erfahren.

Wo kann ich mich über meine Rechte als Arbeitnehmer informieren?

Zuverlässige Informationen bieten Beratungen von Gewerkschaften oder Fachanwälten für Arbeitsrecht.

Wer gilt rechtlich als Arbeitnehmer?

Der Arbeitgeber ist hingegen eine natürliche oder juristische Person, die einen Arbeitnehmer aufgrund eines Arbeitsvertrags beschäftigt. Der Arbeitgeber zahlt die vereinbarte Vergütung und ist berechtigt, im Rahmen des Arbeitsvertrags Weisungen zu erteilen. Gleichzeitig trägt er umfangreiche Pflichten, etwa zur Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen, zur Einhaltung von Arbeitsschutzvorschriften und zur Wahrung der Rechte der Arbeitnehmer.

Liegen die oben genannten Kriterien für Arbeitnehmerschaft ohne entsprechende Festanstellung vor, wird rechtlich von Scheinselbstständigkeit gesprochen. Sobald eine abhängige Beschäftigung mit Weisungsbindung vorliegt, ist die Tätigkeit sozialversicherungspflichtig. Bei vorsätzlicher Scheinselbstständigkeit drohen hohe Geld- oder sogar Freiheitsstrafen.

Welche Rechte und Pflichten habe ich als Arbeitnehmer?

Arbeitnehmer haben im deutschen Arbeitsrecht sowohl Ansprüche als auch Verpflichtungen. Unter anderem besteht das Recht auf:

Arbeitnehmer in der Probezeit: Welche Kündigungsfrist gilt?
Arbeitnehmer in der Probezeit: Welche Kündigungsfrist gilt?
  • Vergütung bzw. Gehalt nach Arbeitsvertrag
  • Bezahlten Urlaub
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Schutz vor ungerechtfertigter Kündigung (Kündigungsschutz)
  • ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld (Arbeitsschutz)
  • Pausen und Ruhezeiten
  • Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung
  • Weiterbildung und Qualifizierungsmaßnahmen (sofern vertraglich oder gesetzlich vorgesehen)
  • Mitbestimmung bei bestimmten betrieblichen Entscheidungen (z. B. Betriebsrat)
  • Arbeitszeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses

Pflichten des Arbeitnehmers umfassen unter anderem:

  • Erbringung der vereinbarten Arbeitsleistung
  • Einhaltung von Weisungen des Arbeitgebers
  • Beachtung der Arbeitszeiten
  • Sorgfältiger Umgang mit Arbeitsmitteln und Betriebseigentum
  • Einhaltung von Sicherheits- und Arbeitsschutzvorschriften
  • Verschwiegenheit über betriebliche und vertrauliche Informationen
  • Anzeige der Arbeitsunfähigkeit und Vorlage einer Krankmeldung
  • Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber
  • Unterlassung von Konkurrenztätigkeiten während des Arbeitsverhältnisses

Rechte und Pflichten sind zwar grundsätzlich gesetzlich festgelegt, können in der genauen Ausgestaltung jedoch unterschiedlich aussehen. Es ist also immer ratsam, sich den eigenen Arbeitsvertrag und vor allem (sofern vorhanden) Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag genau anzusehen. Für ältere Arbeitnehmer können Sonderregelungen gelten.

Arbeitnehmer und Kündigung: Was ist zu beachten?

Arbeitnehmer haben Pflichten und Rechte.
Arbeitnehmer haben Pflichten und Rechte.

Bei Kündigungen spielen Form, Fristen und mögliche Alternativen wie ein Aufhebungsvertrag eine zentrale Rolle. Fehler im Kündigungsschreiben oder vorschnelle Vereinbarungen können zu Nachteilen beim Kündigungsschutz oder beim Arbeitslosengeld führen. Ein unterzeichnetes Kündigungsschreiben ist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber verpflichtend. Eine ausschließlich mündliche Kündigung ist unwirksam. Je nach Situation kommen unterschiedliche Kündigungsarten infrage, die jeweils eigene Voraussetzungen haben. Besonders streng sind die Anforderungen bei fristlosen und außerordentlichen Kündigungen, während in der Probezeit erleichterte Regeln gelten:

  • Der Aufhebungsvertrag für Arbeitnehmer: Ein Aufhebungsvertrag ist eine einvernehmliche Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, das Arbeitsverhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu beenden. Im Gegensatz zur Kündigung bedarf es hier der Zustimmung beider Parteien. Er bietet Flexibilität, kann aber Auswirkungen auf Ansprüche wie Arbeitslosengeld haben, weshalb er sorgfältig geprüft werden sollte.
  • Außerordentliche Kündigung: Die außerordentliche Kündigung für Arbeitnehmer setzt voraus, dass dem Arbeitnehmer eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ende der regulären Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann. Trotzdem kann jedoch eine Auslauffrist vorliegen.
  • Kündigung in der Probezeit: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber können das Arbeitsverhältnis während der Probezeit in der Regel mit einer verkürzten Kündigungsfrist (in der Regel zwei Wochen) beenden. Diese erleichterte Kündigung dient beiden Seiten dazu, das Arbeitsverhältnis frühzeitig auflösen zu können, falls Tätigkeit oder Zusammenarbeit nicht den Erwartungen entsprechen.

Exkurs: Die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer


Die Kündigungsfrist bestimmt, wie lange ein Arbeitsverhältnis nach der Kündigung noch besteht. Sie kann sich aus dem Gesetz, dem Arbeitsvertrag oder einem Tarifvertrag ergeben und ist für Arbeitnehmer (sowie Arbeitgeber) verbindlich einzuhalten.

Die gesetzliche Grundkündigungsfrist beträgt in der Regel vier (in der Probezeit zwei) Wochen, gilt aber nicht in jedem Fall: Die Kündigungsfrist für Arbeitnehmer mit Betriebszugehörigkeit von 2 Jahren oder mehr erhöht sich laut Gesetz stetig bis zu einem Maximum von 7 Monaten (bei 20 Jahren Betriebszugehörigkeit). Durch Tarifverträge können sich jedoch auch abweichende Regelungen ergeben.

Benefits, Sonderregelungen und mögliche Nachteile für Arbeitnehmer

Neben klassischen Rechten profitieren Arbeitnehmer oft von Zusatzleistungen, Förderungen und freiwilligen Maßnahmen. Eine informierte Abwägung hilft, finanzielle und rechtliche Risiken zu vermeiden.

  • Hat das BEM Nachteile für Arbeitnehmer? Das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) soll Arbeitnehmer nach längerer Krankheit unterstützen, kann aber auch Nachteile haben. So besteht die Sorge, dass sensible Gesundheitsdaten bekannt werden oder Maßnahmen vorgeschlagen werden, die der Arbeitnehmer als belastend oder unpassend empfindet, obwohl die Teilnahme freiwillig ist.
  • Arbeitszeitkonto: Ein Arbeitszeitkonto kann für Arbeitnehmer Nachteile mit sich bringen. Es ermöglicht flexible Arbeitszeiten, kann jedoch auch zu Mehrarbeit ohne unmittelbaren Ausgleich führen. Nachteile entstehen insbesondere dann, wenn angesammelte Überstunden nicht rechtzeitig abgebaut werden oder bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Streit über den Ausgleich entsteht.
  • Midijob: Beim Midijob können Arbeitnehmer Nachteile haben. Sie profitieren zwar von geringeren Sozialabgaben, allerdings können sich dadurch auch niedrigere Ansprüche bei Rente, Arbeitslosengeld oder Krankengeld ergeben.
  • Eingliederungszuschuss: Nachteile für Arbeitnehmer? Der Eingliederungszuschuss wird an den Arbeitgeber gezahlt, um die Einstellung zu fördern, kann für Arbeitnehmer aber Unsicherheiten mit sich bringen. Nach Ablauf der Förderung besteht das Risiko, dass das Arbeitsverhältnis nicht fortgeführt wird, da der finanzielle Anreiz für den Arbeitgeber entfällt.
  • Fahrtkostenzuschuss: Ein Fahrtkostenzuschuss kann für Arbeitnehmer Nachteile haben, wenn er teilweise auf andere Leistungen angerechnet wird. Zudem kann der Zuschuss an bestimmte Bedingungen geknüpft sein und bei Änderungen des Arbeitswegs entfallen. Dem entgegen stehen steuerliche Vorteile.
  • Betriebliche Krankenversicherung: Mögliche Nachteile für Arbeitnehmer sind hier vor allem die Abhängigkeiten der Versicherung an das Arbeitsverhältnis.
    Die betriebliche Krankenversicherung bietet zusätzliche Leistungen, kann jedoch steuer- und sozialversicherungspflichtig sein.


Arbeit ohne offizielle Anmeldung (sog. Schwarzarbeit) kann für Arbeitnehmer Strafen und strafrechtliche Konsequenzen mit sich bringen. Zusätzlich fehlt der Versicherungsschutz, was im Krankheits- oder Unfallfall gravierende Folgen haben kann.

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Über den Autor

Dr. Philipp Hammerich
Dr. Philipp Hammerich

Dr. Philipp Hammerich verfasst als Autor mit seiner Expertise im Arbeitsrecht verständliche Texte zu arbeitsrechtlichen Frage für Verbraucher. Er studierte an der Universität Hamburg, absolvierte sein Referendariat beim OLG Hamburg und ist seit 2007 als Rechtsanwalt in Deutschland zugelassen.

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