
Wenn die Arbeit zur Qual wird und Sie den Werktagen nur noch freudlos und ohne Motivation entgegenblicken, ist es höchste Zeit, etwas zu unternehmen.
Denn: Psychische Belastung am Arbeitsplatz kann weitreichende Folgen haben – auch für Ihr Privatleben.
Laut dem Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für das Jahr 2023 sind psychische Erkrankungen inzwischen für über 10 % der Fehlzeiten verantwortlich. Damit stehen sie auf Platz 3 der häufigsten Gründe für Krankmeldungen.
Inhalt
Kompaktwissen: psychische Belastung am Arbeitsplatz
Psychische Belastung am Arbeitsplatz umfasst alle Einflüsse, die bei der Arbeit von außen auf den Menschen zukommen. Ursachen können etwa eine hohe Arbeitsdichte oder soziale Konflikte und Mobbing sein.
Sie sollten sich Hilfe holen und darüber nachdenken, wie Sie Ihr Arbeitsumfeld anpassen können, damit es Ihnen besser geht. Mehr erfahren Sie hier.
Das Arbeitsschutzgesetz sieht vor, dass der Arbeitgeber eine Gefahrenbeurteilung durchführt.
Was ist psychische Belastung am Arbeitsplatz?

Die psychische Belastung am Arbeitsplatz besitzt keine eindeutige rechtliche Definition.
Sie wird lediglich durch die Europäische Norm EN ISO 10075-1 „Ergonomische Grundlagen bezüglich psychischer Arbeitsbelastung“ beschrieben.
Demnach lassen sich zweierlei Merkmale ableiten:
- alle Einflüsse, die auf Menschen einwirken und sie psychisch beeinflussen
- die Auswirkungen, die die Einflüsse auf den Menschen haben und wie die jeweilige Person mit ihnen umgeht
Die Definition der EU ist nicht besonders genau und kann sowohl negative als auch positive Phänomene beinhalten. Damit widerspricht sie dem weitläufigen Verständnis, dass psychische Belastungen am Arbeitsplatz vor allen Dingen schlechte Auswirkungen haben.
Im deutschen Arbeitsschutzgesetz wird die psychische Belastung am Arbeitsplatz dagegen als konkretes Risiko benannt (§ 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG). Deswegen besitzt der Arbeitgeber Verpflichtungen in Form einer Gefährdungsbeurteilung.
Häufige Gründe für psychische Belastung am Arbeitsplatz

Unterschiedliche Menschen empfinden unterschiedliche Situationen als mentale Bürde.
Deswegen gibt es für psychische Belastung am Arbeitsplatz unzählige individuelle Beispiele, die sehr verschieden sind und sich manchmal sogar widersprechen können.
Die Liste nennt besonders oft auftretende Gründe:
- Stress bspw. durch:
- Zeitdruck
- zu viele Aufgaben, die gleichzeitig erledigt werden müssen
- dauernde Unterbrechungen in der Arbeit
- Anforderung der ständigen Erreichbarkeit
- Lärm
- Langeweile
- Mobbing
- Konflikte mit Kollegen
- Angst um den Arbeitsplatz
- mangelhafte Unterstützung und / oder Anerkennung
- mangelnde Sinnhaftigkeit der Arbeit
- psychisch belastender Arbeitsinhalt (Krankheiten oder Traumata anderer Personen)
Wie macht sich psychische Belastung am Arbeitsplatz bemerkbar?

Bei vielen Menschen existieren Anzeichen für eine psychische Belastung am Arbeitsplatz.
Diese müssen nicht immer krankhaft sein, allerdings dürfen sie nicht unbeachtet bleiben.
Sprechen Sie mit Betroffenen oder suchen Sie sich selbst Hilfe, falls Sie sich in einer mentalen Krise befinden.
Zu den Anzeichen zählen u. a.:
- Gereiztheit
- Zurückgezogenheit
- Traurigkeit
- geringere Leistungs- oder Konzentrationsfähigkeit
Außerdem lohnt es sich, Ausschau nach besonders einschneidenden Erlebnissen zu halten. Dazu können eine Scheidung, ein Todesfall, eine Erkrankung, aber auch Mobbing oder anderweitige Konflikte am Arbeitsplatz gehören.
Schwieriger ist es, die Vereinsamung von Beschäftigten festzustellen, gerade auch im Homeoffice. Hier ist es wichtig, Schritte zur Stärkung der Gruppenbindung zu ergreifen. Regelmäßige Feedbackgespräche, hybride Arbeitskonzepte und gemeinsame Aktivitäten können dabei helfen.
Maßnahmen gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz
Maßnahmen durch den Arbeitgeber
Das wichtigste Mittel gegen eine zu hohe psychische Belastung am Arbeitsplatz ist Prävention.

Fortbildungen zur Stressbewältigung und die Schaffung eines positiven und wertschätzenden Arbeitsumfeldes sind ebenso hilfreich wie Strukturen, die betroffenen Mitarbeitern helfen können.
Bei der Etablierung einer arbeitnehmerfreundlichen Atmosphäre kommt dem Arbeitgeber eine besonders wichtige Rolle zu.
Der Arbeitgeber muss eine Beurteilung durchführen, um mögliche Gefahren ausfindig zu machen. Gemäß § 5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG müssen Quellen für die physische und die psychische Belastung am Arbeitsplatz in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden.
Bei der Bewertung mentaler Risiken können folgende Schritte durchgeführt werden:
- Festlegen der Tätigkeiten und Bereiche
- Ermittlung der psychischen Belastung
- Beurteilung der psychischen Belastung
- Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen
- Kontrolle der Maßnahmen
- Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung
Der Arbeitgeber soll den Betriebsrat, sofern einer existiert, in den Prozess involvieren.
Was können Sie gegen mentale Belastung am Arbeitsplatz tun?
Das Wichtigste ist: Holen Sie sich Hilfe. Niemand profitiert davon, wenn die psychische Belastung am Arbeitsplatz eine langanhaltende Krankschreibung nach sich zieht.
Wenn Sie unter mentalen Krisen, Burnout oder Depressionen leiden, sollten Sie sich professionelle Hilfe suchen. Wenden Sie sich an Ihren Arzt und suchen Sie den Kontakt zur den Personen in Ihrem Umfeld, denen Sie vertrauen.
Zögern Sie nicht, sich Unterstützung zu holen. Die Telefon-Seelsorge kann ein erster Ansprechpartner sein: 0800 1110111 / 0800 1110222

Damit Sie die Auswirkungen, die eine hohe psychische Belastung am Arbeitsplatz haben kann, reduzieren können, empfiehlt es sich, mit Kollegen, Vorgesetzten oder dem Betriebsrat zu sprechen.
Das Ziel sollte sein, das Arbeitsumfeld zu verbessern, sodass die Gründe für den mentalen Druck eliminiert werden können.
Sollten die unternommenen Schritte keine Linderung der Symptome verursachen, bleibt Ihnen die berufliche Neuorientierung. In der Regel ist es kein Job wert, Ihre mentale Gesundheit akut zu gefährden.